Kann ein Mann
wie Sie an dem Glücke seiner Gattin zweifeln? Wer sollte sich dann auf Erden
trauen!« - und sie sich in weiter nichts einließ und immer in dieser Stimmung
verharrte, so vermutete er geheimen Kummer, schrieb sich die Ursache zu und
spannte alle seine Aufmerksamkeit an, ihr zu gefallen. Sie bemerkte es und gab
ihm die rührendsten Beweise davon, dass sie es bemerkte. Seine Zärtlichkeit
überraschte sie oft; und wenn sie dieselbe nicht mit der Wärme erwiderte, wie
sie aus seinen Blicken sprach, so sagte sie:
    »Ich bin zu ernstaft, ich muss die Musik lassen, sie zieht mich mit
unwiderstehlicher Gewalt von dieser Erde nach dem Lande, von welchem Sie mir so
oft gesprochen haben. Wirklich, ich muss die Musik lassen, sie spannt meine
Phantasie über ihr Vermögen, sie macht mich zu weich, zu schwärmerisch. Ich
glaube, es geht mir wie den Dichtern, von denen man sagt, sie vermissten immer
etwas, sie möchten sein, wo sie wollten. Denn sie sehen, sagt man, alles mit den
Augen ihres Geistes an, der sich mehr im Schaffen, im Hervorbringen als in dem
Genießen gefällt, der das Geschaffene, um nie müßig zu sein, wenigstens mit den
Farben seiner Träume schmückt.«
    Ernst lächelte bei dieser Äußerung.
    AMALIE: Lächeln Sie nicht! Ich glaube wirklich, dass ich ohne Musik viel
glücklicher wäre; ich würde mehr bei mir und viel beschränkter sein, und Franz
würde mir dann nicht so oft sagen:
    »Du liebst mich nicht, Mutter, du spielst nicht mit mir, du spielst nur mit
dem Klavier. Und doch liebt dich das Klavier nicht, wie ich dich liebe.«
    ERNST: Und doch küsst er mit mir die Hände, die diese Saiten so süß beleben,
und den Mund, dessen Töne seinen Vater mit sanften Schwingen in jenes Land
tragen, aus dem seine Mutter, mit dieser Harmonie begabt, herabstieg. Sie
vergaßen oder wollten vergessen, dass es der Dichter allein ist, dessen Geist
Welten und Schöpfungen sieht, die wir ohne ihn nur dunkel ahnden würden, dass er
uns durch seine Schöpfungen von andern Welten ein Glück darbeut, welches uns
diese hier nie gewähren kann. Dank sei diesen Lieblingen der Gottheit gesagt,
auf denen der Geist der Schöpfung so sichtbar und wirksam ruht, in denen sich
die Schöpfung so fasslich und hinreißend für andere abspiegelt! Sie erwecken
durch ihre schaffende Kraft, durch die hohe Darstellung ihres innern Sinnes den
schlafenden Funken in unsrer Brust und beweisen uns durch seine Entzündung unsre
Abstammung aus jenem Lande und unsre Wiederkehr dahin. Ohne sie würde sich der
Mensch nie über das Irdische erhoben haben. Und dieses sind Sie mir! Dieses
