, dass
er an seiner Tafel, in seinem Kreise mit Fremden und Einheimischen von nichts
sprach als von der Hoffnung, bald sein ganzes Land so blühend und wohlhabend zu
sehen als Ernst und Kalkheim den gesegneten Strich gemacht hätten. »Und dann«,
setzte er hinzu, »werde ich erst recht fühlen, wie glücklich ich bin, Fürst
eines kleinen Landes zu sein; denn nur hier fruchtet die Arbeit guter Menschen,
nur hier sind Mittel und Hindernisse gleich sichtbar.«
    Doch dieser Plan drohte nicht allein der Gewalt und dem Eigennutze
verschiedner Landeskollegien; er griff zu gleicher Zeit auch den Stolz des Adels
und der Gutsbesitzer an, denen die alte Ordnung schmeichelte, weil ihre
Vorfahren dieselbe entworfen hatten. Sie sahen in der gelinden Abhängigkeit des
Landmanns von ihnen, da diese doch allein den Fleiß und die Erfindungskraft
desselben beseelt, indem sie ihn von den äußern, drückenden Zeichen der
Herrschaft befreit, nur die Auflösung ihres Ansehens und ihrer Eigenmacht. Es
war ihnen nicht genug, dass der Landmann, und sie durch diesen, reicher würden;
sie wollten auch, dass er immer in der knechtischen Furcht vor seinen gestrengen
Herren verbleiben sollte. Sie wollten nicht dessen Wohltäter, Freunde und
Ruhestifter, sondern dessen Herrscher und drohende Richter sein. In den freien,
vertraulichen, heitern Gesichtern der Landleute dieses sich auszeichnenden
Bezirkes sahen sie Hohn und Aufruhr; in ihren reichen Feldern, ihren schön
gebaueten Dörfern, ihrer anständigen bessern Kleidung Reiz zur Üppigkeit,
Verschwendung und Eitelkeit, und ihr Spruch war: der Bauer muss immer fühlen, dass
er nur Bauer ist.
    Natürlich stimmte die Kammer in diesen Ton mit ein, und Ernst wurde bald als
ein Feind des Adels und der alten guten Ordnung angesehen. Seine Ruhe, seine
Zufriedenheit, seine Sorglosigkeit bei ihren hämischen Äußerungen entzündeten
den Hass und Unwillen des Adels noch mehr, und es bildete sich, ohne Verabredung
und mit Verabredung, eine geheime Verschwörung gegen ihn, die nur auf
Gelegenheit lauerte, den gefährlichen Widersacher zu stürzen. Indes stellte man
ihn allenthalben als einen Mann dar, der, stolz auf die Gunst des Fürsten,
seinem Dünkel und seiner eingebildeten Weisheit alle zu unterwerfen strebt, der
durch die Zerstörung alles Alten sich einen glänzenden Namen machen will und
seinen herrschsüchtigen Geist unter dem sanften Schimmer gleisnerischer Tugend
zu verbergen sucht.
    Ernst ahndete das nicht. Er sah und fühlte wohl, dass den meisten das nicht
gefiel, was er tat; doch hoffte er noch immer, der gute Erfolg würde jeden nach
und nach von seinen reinen Absichten überzeugen. Bei seinem Plane rechnete er um
so mehr auf das Gelingen, da der Vorteil eines jeden so sichtbar war. Aber als
er ihn in dem geheimen Rate vorbrachte und sein Oheim heftiger als je
