 auf dem Schlachtfelde, dieses haben unsre
Vorfahren gezeigt.«
    HADEM: Wozu auch immer Heldentugend? Warum ein so großes, ein so schallendes
Wort?
    ERNST: Nicht wahr? Denn ist nicht Ausübung der Pflicht, wenn ein Sieg über
uns, unsre Leidenschaften, unsern Eigennutz vorausgeht, eine Heldentat? Lehrten
Sie uns dieses nicht?
    HADEM: Freilich, wenn wir sie ohne Rücksicht auf uns selbst, mit Gefahr für
uns, zum Besten andrer ausüben. Ich wünschte nur dem schönen, guten Gefühl ein
bescheidneres Beiwort. Ich kenne zum Beispiel einen Mann, der sich keiner
Heldentugend und Heldentat bewusst ist, sich wenigstens keinen Helden nennt und
gleichwohl, nach meiner Meinung, ein reinerer Held ist als euer Mazedonier.
    FERDINAND: Als Alexander? Oh, lassen Sie uns geschwind seine Taten hören!
    HADEM: Taten? Ich sagte ja, er weiß nichts von Taten. - Ich rede nur von dem
Kammerrat Kalkheim. Lachen Sie immer, Ferdinand; Sie werden dessenungeachtet
sehen, dass dieses Mannes Geschichte, in dem Herzen einer großen Anzahl von
Mensehen im stillen gefühlt, einen Wert hat, um den ihn wohl mancher große Held
beim letzten Überblick seiner Taten beneiden möchte.
    Dieser Kalkheim hatte früh einen großen Teil seines Vermögens zu einer Reise
angewendet, um die Entdeckungen zur Verbesserung der Landwirtschaft praktisch
ausüben zu sehen. Mit diesem Zwecke, den er sich zur künftigen Bestimmung
machte, allein beschäftigt, versagte er sich allen andern Genuss, den sonst junge
Leute auf Reisen suchen. Als ihm bei seiner Rückkehr ins Vaterland der Fürst
diese Stelle anvertraute, machte er viele Versuche der gesehenen Neuerungen auf
seinem eignen Lande nach; er hoffte, die Aufmerksamkeit andrer dadurch zu
reizen. Aber die Vorliebe oder das Vorurteil für das Alte schien unüberwindlich,
und ob er es gleich über sich nahm, den aus seinen Versuchen entstehenden
Schaden zu ersetzen, so konnte er doch nur mit großer Mühe einige Landleute
dahin bringen, sie nachzuahmen. So erreichte er seinen Zweck nur nach und nach,
nur unter Streit, Kampf und Mühe. Durch den nähern Umgang mit den Landleuten
lernte er so viel Elend und Armut kennen und sah die Quellen davon so genau ein,
dass er sich bald mit der fürstlichen Kammer in eine Fehde einließ; aber da er
hier nichts ausrichten konnte und doch helfen wollte, so war er in kurzem dahin
gebracht, von seinem beträchtlichen Vermögen nichts mehr übrig zu behalten als
ein kleines Haus und ein kleines Gärtchen, in welchem er Gesäme zieht. Seinen
Sold teilt er mit den Dürftigen. Der Verlust seines Vermögens zog den Verlust
der Freundschaft eines Mannes nach sich, der ihm ohne alle Schonung seine
versprochene Tochter, in welcher der Kammerrat den Lohn für alles hoffte,
versagte. Dieses verwundete
