, die heilige Luft allgegenwärtig ihn umfing.
    Diotima! mir geschieht oft wunderbar, wenn ich mein unbekümmert Volk
durchgehe und, wie aus der Erde gewachsen, einer um den andern aufsteht und dem
Morgenlicht entgegen sich dehnt, und unter den Haufen der Männer die knatternde
Flamme emporsteigt, wo die Mutter sitzt mit dem frierenden Kindlein, wo die
erquickende Speise kocht, indes die Rosse, den Tag witternd, schnauben und
schrein, und der Wald ertönt von allerschütternder Kriegsmusik, und rings von
Waffen schimmert und rauscht - aber das sind Worte und die eigne Lust von
solchem Leben erzählt sich nicht.
    Dann sammelt mein Haufe sich um mich her, mit Lust, und es ist wunderbar,
wie auch die Ältesten und Trotzigsten in aller meiner Jugend mich ehren. Wir
werden vertrauter und mancher erzählt, wies ihm erging im Leben und mein Herz
schwillt oft von mancherlei Schicksal. Dann fang ich an, von besseren Tagen zu
reden, und glänzend gehen die Augen ihnen auf, wenn sie des Bundes gedenken, der
uns einigen soll, und das stolze Bild des werdenden Freistaats dämmert vor
ihnen.
    Alles für jeden und jeder für alle! Es ist ein freudiger Geist in den Worten
und er ergreift auch immer meine Menschen, wie Göttergebot. O Diotima! so zu
sehen, wie von Hoffnungen da die starre Natur erweicht und all ihre Pulse
mächtiger schlagen und von Entwürfen die verdüsterte Stirne sich entfaltet und
glänzt, so da zu stehen in einer Sphäre von Menschen, umrungen von Glauben und
Lust, das ist doch mehr, als Erd und Himmel und Meer in aller ihrer Glorie zu
schaun.
    Dann üb ich sie in Waffen und Märschen bis um Mittag. Der frohe Mut macht
sie gelehrig, wie er zum Meister mich macht. Bald stehen sie dichtgedrängt in
macedonischer Reih und regen den Arm nur, bald fliegen sie, wie Strahlen,
auseinander zum gewagteren Streit in einzelnen Haufen, wo die geschmeidige Kraft
in jeder Stelle sich ändert und jeder selbst sein Feldherr ist, und sammeln sich
wieder in sicherem Punkt - und immer, wo sie gehen und stehen in solchem
Waffentanze, schwebt ihnen und mir das Bild der Tyrannenknechte und der ernstere
Walplatz vor Augen.
    Drauf, wenn die Sonne heißer scheint, wird Rat gehalten im Innern des Walds
und es ist Freude, so mit stillen Sinnen über der großen Zukunft zu walten. Wir
nehmen dem Zufall die Kraft, wir meistern das Schicksal. Wir lassen Widerstand
nach unserem Willen entstehn, wir reizen den Gegner zu dem, worauf wir gerüstet
sind. Oder sehen wir zu und scheinen furchtsam und lassen ihn näher kommen, bis
er das Haupt zum Schlag uns reicht, auch nehmen wir ihm mit Schnelle die Fassung
und das ist meine Panacee. Doch
