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    Das soll uns wohl tun, einzig Geliebter!
    So schrieb er. Ich war betroffen im ersten Moment. Mir brannte das Gesicht
vor Scham, mir kochte das Herz, wie heiße Quellen, und ich konnt auf keiner
Stelle bleiben, so schmerzt' es mich, überflogen zu sein von Alabanda,
überwunden auf immer. Doch nahm ich nun auch um so begieriger die künftige
Arbeit ans Herz. -
    Ich bin zu müßig geworden, rief ich, zu friedenslustig, zu himmlisch, zu
träg! - Alabanda sieht in die Welt, wie ein edler Pilot, Alabanda ist fleißig
und sucht in der Woge nach Beute; und dir schlafen die Hände im Schoss? und mit
Worten möchtest du ausreichen, und mit Zauberformeln beschwörst du die Welt?
Aber deine Worte sind, wie Schneeflocken, unnütz, und machen die Luft nur trüber
und deine Zaubersprüche sind für die Frommen, aber die Unglaubigen hören dich
nicht. - Ja! sanft zu sein, zu rechter Zeit, das ist wohl schön, doch sanft zu
sein, zur Unzeit, das ist hässlich, denn es ist feig! - Aber Harmodius! deiner
Myrte will ich gleichen, deiner Myrte, worin das Schwert sich verbarg. Ich will
umsonst nicht müßig gegangen sein, und mein Schlaf soll werden, wie Öl, wenn die
Flamme darein kommt. Ich will nicht zusehn, wo es gilt, will nicht umhergehn und
die Neuigkeit erfragen, wann Alabanda den Lorbeer nimmt.
                             Hyperion an Bellarmin
Diotimas Erblassen, da sie Alabandas Brief las, ging mir durch die Seele. Drauf
fing sie an, gelassen und ernst, den Schritt mir abzuraten und wir sprachen
manches hin und wider. O ihr Gewaltsamen! rief sie endlich, die ihr so schnell
zum Äußersten seid, denkt an die Nemesis!
    Wer Äusserstes leidet, sagt ich, dem ist das Äußerste recht.
    Wenns auch recht ist, sagte sie, du bist dazu nicht geboren.
    So scheint es, sagt ich; ich hab auch lange genug gesäumt. O ich möchte
einen Atlas auf mich laden, um die Schulden meiner Jugend abzutragen. Hab ich
ein Bewusstsein? hab ich ein Bleiben in mir? O lass mich, Diotima! Hier, gerad in
solcher Arbeit muss ich es erbeuten.
    Das ist eitel Übermut! rief Diotima; neulich warst du bescheidner, neulich,
da du sagtest, ich muss noch ausgehn, zu lernen.
    Liebe Sophistin! rief ich, damals war ja auch von ganz was anderem die Rede.
In den Olymp des Göttlichschönen, wo aus ewigjungen Quellen das Wahre mit allem
Guten entspringt, dahin mein Volk zu führen, bin ich noch jetzt nicht geschickt.
Aber ein Schwert zu brauchen, hab ich gelernt und mehr
