! ja! ich bins, erwidert ich. Was ich verloren wähnte, hab ich, wonach ich
schmachtete, als wär es aus der Welt verschwunden, das ist vor mir. Nein,
Diotima! noch ist die Quelle der ewigen Schönheit nicht versiegt.
    Ich habe dirs schon einmal gesagt, ich brauche die Götter und die Menschen
nicht mehr. Ich weiß, der Himmel ist ausgestorben, entvölkert, und die Erde, die
einst überfloss von schönem menschlichen Leben, ist fast, wie ein Ameisenhaufe,
geworden. Aber noch gibt es eine Stelle, wo der alte Himmel und die alte Erde
mir lacht. Denn alle Götter des Himmels und alle göttlichen Menschen der Erde
vergess ich in dir.
    Was kümmert mich der Schiffbruch der Welt, ich weiß von nichts, als meiner
seligen Insel.
    Es gibt eine Zeit der Liebe, sagte Diotima mit freundlichem Ernste, wie es
eine Zeit gibt, in der glücklichen Wiege zu leben. Aber das Leben selber treibt
uns heraus.
    Hyperion! - hier ergriff sie meine Hand mit Feuer, und ihre Stimme erhub mit
Größe sich - Hyperion! mich deucht, du bist zu höheren Dingen geboren. Verkenne
dich nicht! der Mangel am Stoffe hielt dich zurück. Es ging nicht schnell genug.
Das schlug dich nieder. Wie die jungen Fechter, fielst du zu rasch aus, ehe noch
dein Ziel gewiss und deine Faust gewandt war, und weil du, wie natürlich, mehr
getroffen wurdest, als du trafst, so wurdest du scheu und zweifeltest an dir und
allem; denn du bist so empfindlich, als du heftig bist. Aber dadurch ist nichts
verloren. Wäre dein Gemüt und deine Tätigkeit so frühe reif geworden, so wäre
dein Geist nicht, was er ist; du wärst der denkende Mensch nicht, wärst du nicht
der leidende, der gärende Mensch gewesen. Glaube mir, du hättest nie das
Gleichgewicht der schönen Menschheit so rein erkannt, hättest du es nicht so
sehr verloren gehabt. Dein Herz hat endlich Frieden gefunden. Ich will es
glauben. Ich versteh es. Aber denkst du wirklich, dass du nun am Ende seist?
Willst du dich verschließen in den Himmel deiner Liebe, und die Welt, die deiner
bedürfte, verdorren und erkalten lassen unter dir? Du musst, wie der Lichtstrahl,
herab, wie der allerfrischende Regen, musst du nieder ins Land der Sterblichkeit,
du musst erleuchten, wie Apoll, erschüttern, beleben, wie Jupiter, sonst bist du
deines Himmels nicht wert. Ich bitte dich, geh nach Athen hinein, noch Einmal,
und siehe die Menschen auch an, die dort herumgehn unter den Trümmern, die rohen
Albaner und die andern guten kindischen Griechen, die mit einem
