 erhitzt' und belebte. - Kein außerordentlich Schicksal erzeugt den
Menschen. Groß und kolossalisch sind die Söhne einer solchen Mutter, aber schöne
Wesen, oder, was dasselbe ist, Menschen werden sie nie, oder spät erst, wenn die
Kontraste sich zu hart bekämpfen, um nicht endlich Frieden zu machen.
    In üppiger Kraft eilt Lacedämon den Ateniensern voraus, und hätte sich eben
deswegen auch früher zerstreut und aufgelöst, wäre Lycurg nicht gekommen, und
hätte mit seiner Zucht die übermütige Natur zusammengehalten. Von nun an war
denn auch an dem Spartaner alles erbildet, alle Vortrefflichkeit errungen und
erkauft durch Fleiß und selbstbewusstes Streben, und soviel man in gewissem Sinne
von der Einfalt der Spartaner sprechen kann, so war doch, wie natürlich,
eigentliche Kindereinfalt ganz nicht unter ihnen. Die Lacedämonier durchbrachen
zu frühe die Ordnung des Instinkts, sie schlugen zu früh aus der Art, und so
musste denn auch die Zucht zu früh mit ihnen beginnen; denn jede Zucht und Kunst
beginnt zu früh, wo die Natur des Menschen noch nicht reif geworden ist.
Vollendete Natur muss in dem Menschenkinde leben, eh es in die Schule geht, damit
das Bild der Kindheit ihm die Rückkehr zeige aus der Schule zu vollendeter
Natur.
    Die Spartaner blieben ewig ein Fragment; denn wer nicht einmal ein
vollkommenes Kind war, der wird schwerlich ein vollkommener Mann. -
    Freilich hat auch Himmel und Erde für die Atener, wie für alle Griechen,
das ihre getan, hat ihnen nicht Armut und nicht Überfluss gereicht. Die Strahlen
des Himmels sind nicht, wie ein Feuerregen, auf sie gefallen. Die Erde
verzärtelte, berauschte sie nicht mit Liebkosungen und übergütigen Gaben, wie
sonst wohl hie und da die törige Mutter tut.
    Hiezu kam die wundergrosse Tat des Teseus, die freiwillige Beschränkung
seiner eignen königlichen Gewalt.
    O! solch ein Samenkorn in die Herzen des Volks geworfen, muss einen Ozean von
goldnen Ähren erzeugen, und sichtbar wirkt und wuchert es spät noch unter den
Atenern.
    Also noch einmal! dass die Atener so frei von gewaltsamem Einfluss aller Art,
so recht bei mittelmässiger Kost aufwuchsen, das hat sie so vortrefflich gemacht,
und dies nur konnt es!
    Lasst von der Wiege an den Menschen ungestört! treibt aus der engvereinten
Knospe seines Wesens, treibt aus dem Hüttchen seiner Kindheit ihn nicht heraus!
tut nicht zu wenig, dass er euch nicht entbehre und so von ihm euch unterscheide,
tut nicht zu viel, dass er eure oder seine Gewalt nicht fühle, und so von ihm
euch unterscheide, kurz, lasst den Menschen spät erst wissen, dass es Menschen,
dass es irgend etwas außer ihm gibt, denn so nur wird er Mensch. Der Mensch ist
aber ein Gott, so
