 du ewig sein, wie ein Kind und schlummern, dem
Nichts gleich? den Sieg entbehren? nicht die Vollendungen alle durchlaufen? Ja!
ja! wert ist der Schmerz, am Herzen der Menschen zu liegen, und dein Vertrauter
zu sein, o Natur! Denn er nur führt von einer Wonne zur andern, und es ist kein
andrer Gefährte, denn er. -
    Damals schrieb ich an Notara, als ich wieder anfing aufzuleben, von Sizilien
aus, wohin ein Schiff von Paros mich zuerst gebracht:
    Ich habe dir gehorcht, mein Teurer! bin schon weit von euch und will dir nun
auch Nachricht geben; aber schwer wird mir das Wort; das darf ich wohl gestehen.
Die Seligen, wo Diotima nun ist, sprechen nicht viel; in meiner Nacht, in der
Tiefe der Traurenden, ist auch die Rede am Ende.
    Einen schönen Tod ist meine Diotima gestorben; da hast du recht; das ists
auch, was mich aufweckt, und meine Seele mir wiedergibt.
    Aber es ist die vorige Welt nicht mehr, zu der ich wiederkehre. Ein
Fremdling bin ich, wie die Unbegrabnen, wenn sie herauf vom Acheron kommen, und
wär ich auch auf meiner heimatlichen Insel, in den Gärten meiner Jugend, die
mein Vater mir verschließt, ach! dennoch, dennoch, wär ich auf der Erd ein
Fremdling und kein Gott knüpft ans Vergangne mich mehr.
    Ja! es ist alles vorbei. Das muss ich nur recht oft mir sagen, muss damit die
Seele mir binden, dass sie ruhig bleibt, sich nicht erhitzt in ungereimten
kindischen Versuchen.
    Es ist alles vorbei; und wenn ich gleich auch weinen könnte, schöne
Gottheit, wie du um Adonis einst geweint, doch kehrt mir meine Diotima nicht
wieder und meines Herzens Wort hat seine Kraft verloren, denn es hören mich die
Lüfte nur.
    O Gott! und dass ich selbst nichts bin, und der gemeinste Handarbeiter sagen
kann, er habe mehr getan, denn ich! dass sie sich trösten dürfen, die
Geistesarmen, und lächeln und Träumer mich schelten, weil meine Taten mir nicht
reiften, weil meine Arme nicht frei sind, weil meine Zeit dem wütenden
Prokrustes gleicht, der Männer, die er fing, in eine Kinderwiege warf, und dass
sie passten in das kleine Bett, die Glieder ihnen abhieb.
    Wär es nur nicht gar zu trostlos, allein sich unter die närrische Menge zu
werfen und zerrissen zu werden von ihr! oder müsst ein edel Blut sich nur nicht
schämen, mit dem Knechtsblut sich zu mischen! o gäb es eine Fahne, Götter! wo
mein Alabanda dienen möcht, ein Termopylä, wo ich mit Ehren sie verbluten
könnte, all die einsame Liebe,
