 dich - wärst du nicht der eitelste von allen eitelen
gewesen?
                                  Fortsetzung
Ich will es dir gerade sagen, was ich glaube. Dein Feuer lebt' in mir, dein
Geist war in mich übergegangen; aber das hätte schwerlich geschadet, und nur
dein Schicksal hat mein neues Leben mir tödlich gemacht. Zu mächtig war mir
meine Seele durch dich, sie wäre durch dich auch wieder stille geworden. Du
entzogst mein Leben der Erde, du hättest auch Macht gehabt, mich an die Erde zu
fesseln, du hättest meine Seele, wie in einen Zauberkreis, in deine umfangenden
Arme gebannt; ach! Einer deiner Herzensblicke hätte mich fest gehalten, Eine
deiner Liebesreden hätte mich wieder zum frohen gesunden Kinde gemacht; doch da
dein eigen Schicksal dich in Geisteseinsamkeit, wie Wasserflut auf Bergesgipfel
trieb, o da erst, als ich vollends meinte, dir habe das Wetter der Schlacht den
Kerker gesprengt und mein Hyperion sei aufgeflogen in die alte Freiheit, da
entschied sich es mit mir und wird nun bald sich enden.
    Ich habe viele Worte gemacht, und stillschweigend starb die große Römerin
doch, da im Todeskampf ihr Brutus und das Vaterland rang. Was konnt ich aber
bessers in den besten meiner letzten Lebenstage tun? - Auch treibt michs immer,
mancherlei zu sagen. Stille war mein Leben; mein Tod ist beredt. Genug!
                                  Fortsetzung
Nur Eines muss ich dir noch sagen.
    Du müsstest untergehn, verzweifeln müsstest du, doch wird der Geist dich
retten. Dich wird kein Lorbeer trösten und kein Myrtenkranz; der Olymp wirds,
der lebendige, gegenwärtige, der ewig jugendlich um alle Sinne dir blüht. Die
schöne Welt ist mein Olymp; in diesem wirst du leben, und mit den heiligen Wesen
der Welt, mit den Göttern der Natur, mit diesen wirst du freudig sein.
    O seid willkommen, ihr Guten, ihr Treuen! ihr Tiefvermissten, Verkannten!
Kinder und Älteste! Sonn und Erd und Äther mit allen lebenden Seelen, die um
euch spielen, die ihr umspielt, in ewiger Liebe! o nimmt die allesversuchenden
Menschen, nimmt die Flüchtlinge wieder in die Götterfamilie, nimmt in die Heimat
der Natur sie auf, aus der sie entwichen! -
    Du kennst dies Wort, Hyperion! Du hast es angefangen in mir. Du wirsts
vollenden in dir, und dann erst ruhen.
    Ich habe genug daran, um freudig, als ein griechisch Mädchen zu sterben.
    Die Armen, die nichts kennen, als ihr dürftig Machwerk, die der Not nur
dienen und den Genius verschmähn, und dich nicht ehren, kindlich Leben der
Natur! die mögen vor dem Tode sich fürchten. Ihr Joch ist ihre Welt geworden;
Besseres, als ihren Knechtsdienst, kennen sie nicht;
