 ein herrlich Leben hinzuschlachten, wie ein Opfertier, und dieser
Glaube machte mich ruhig.
    Es war ein eigener Gewinn, ihn noch zu hören, in der Nacht darauf, nachdem
ein jeder für seine eigne Reise gesorgt, und wir vor Tagesanbruch wieder
hinausgegangen waren, um noch einmal allein zusammen zu sein.
    Weißt du, sagt' er unter andrem, warum ich nie den Tod geachtet? Ich fühl in
mir ein Leben, das kein Gott geschaffen, und kein Sterblicher gezeugt. Ich
glaube, dass wir durch uns selber sind, und nur aus freier Lust so innig mit dem
All verbunden.
    So etwas hab ich nie von dir gehört, erwidert ich.
    Was wär auch, fuhr er fort, was wär auch diese Welt, wenn sie nicht wär ein
Einklang freier Wesen? wenn nicht aus eigenem frohem Triebe die Lebendigen von
Anbeginn in ihr zusammenwirkten in Ein vollstimmig Leben, wie hölzern wäre sie,
wie kalt? welch herzlos Machwerk wäre sie?
    So wär es hier im höchsten Sinne wahr, erwidert ich, dass ohne Freiheit alles
tot ist.
    Ja wohl, rief er, wächst doch kein Grashalm auf, wenn nicht ein eigener
Lebenskeim in ihm ist! wie viel mehr in mir! und darum, Lieber! weil ich frei im
höchsten Sinne, weil ich anfangslos mich fühle, darum glaub ich, dass ich endlos,
dass ich unzerstörbar bin. Hat mich eines Töpfers Hand gemacht, so mag er sein
Gefäß zerschlagen, wie es ihm gefällt. Doch was da lebt, muss unerzeugt, muss
göttlicher Natur in seinem Keime sein, erhaben über alle Macht, und alle Kunst,
und darum unverletzlich, ewig.
    Jeder hat seine Mysterien, lieber Hyperion! seine geheimern Gedanken; dies
waren die meinen; seit ich denke.
    Was lebt, ist unvertilgbar, bleibt in seiner tiefsten Knechtsform frei,
bleibt Eins und wenn du es scheidest bis auf den Grund, bleibt unverwundet und
wenn du bis ins Mark es zerschlägst und sein Wesen entfliegt dir siegend unter
den Händen. - Aber der Morgenwind regt sich; unsre Schiffe sind wach. O mein
Hyperion! ich hab es überwunden; ich hab es über mich vermocht, das Todesurteil
über mein Herz zu sprechen und dich und mich zu trennen, Liebling meines Lebens!
schone mich nun! erspare mir den Abschied! lass uns schnell sein! komm! -
    Mir flog es kalt durch alle Gebeine, da er so begann.
    O um deiner Treue willen, Alabanda! rief ich vor ihm niedergeworfen, muss es,
muss es denn sein? Du übertäubtest mich unredlicherweise, du rissest in einen
Taumel mich hin. Bruder! nicht so viel Besinnung ließest du mir, um eigentlich
zu fragen, wohin gehst
