 meine Pflicht erfüllte, und dass jedes andere Betragen tadelhaft gewesen
wäre.
    Henr. Möchten doch alle Weiber Alles in einem solchen Lichte betrachten, als
Du, und solche richtige Folgerungen machen, wie viel seltener würden in den Ehen
Zwist und Uneinigkeit sein, welche oft Hass und wirkliche Übel erzeugen!
    Elisa. Gewiss, Henriette, wenn Gatten es sich zum Gesetze machten, nur der
Vernunft zu folgen, so würde fast immer Übereinstimmung zwischen ihnen sein.
Wenn entgegengesetzte Meinungen sie von einander entfernen, so muss Vernunft der
Mittelpunkt sein, der sie wieder vereiniget. Von ihrer Fackel erleuchtet, müssen
sie unparteiisch die Gründe für und wider untersuchen, und von denen sich leiten
lassen, welche sie für die besten erklärt. O, dass wir uns doch gewöhnten, dass
wir doch unsre Kinder gewöhnen möchten, von Jugend an nach Gründen zu handeln!
Wenn ein Weib in jedem Augenblicke ihrem Gatten sagen könnte: warum sie so
gehandelt habe, warum sie so handeln will? - Wenn sie dieses mit Sanftmut
täte, und Vernunft und Wahrheit wären auf ihrer Seite, würde er wohl da noch
zornig sein, noch hartnäckig seinen Willen behaupten? Allein gesetzt, er fände
das Gegenteil für besser, dann ist es ihre Pflicht, seinem Willen gemäß zu
handeln, wenn dieses nicht gegen die ersten Pflichten, gegen die Pflichten als
Mensch streitet. - Hätte mir Wallenheim heute, nachdem ich ihm meine Gründe
vorgestellt hatte, gesagt: Ich finde diese Ursachen nicht hinreichend, und ich
will, dass dieses anders eingerichtet werden soll, - so hätte ich seinem Willen
gefolgt, ohne ihm weiter etwas zu sagen. Aber auch dann muss das Weib nicht
mürrisch sein, nicht Unwillen oder Unzufriedenheit zeigen, nicht dem Gatten
Vorwürfe machen, wenn die Folgen seines genommenen Entschlusses unangenehm sind,
sondern suchen, sie aufzuheben, oder sie unwirksam zu machen. - So wird sie Ruhe
und Einigkeit erhalten, und das Glück ihres Gatten, ihr eigenes, und das ihrer
Familie machen.
    Henr. Ich höre Dich mit Vergnügen. O, wenn man diese Grundsätze den jungen
Mädchen ins Herz prägte, wenn man sie es empfinden ließe, es ihnen anschaulich
machte, welchen erhabenen Platz sie in der Schöpfung einnehmen könnten, wenn ihr
Gatte, ihre Kinder, die Unglücklichen, deren Wohltäterinnen sie waren, und
künftige Generationen noch, sie als die Stifterinnen ihres Glücks verehrten,
würden sie um diesen Preis nicht den so wenig befriedigenden, so schnell
vorübergehenden Vergnügungen, den Künsten der Koquetterie, und das Wohlgefallen
daran, welches sie verächtlich macht, entsagen?
    Elisa. Ja, Henriette, die wahre Bestimmung des Weibes ist edel, und wer
dieses recht empfindet, wird gewiss suchen, sie zu erfüllen. Allein lehrt man sie
