 o dann seufze ich über unser Geschlecht! Solch ein Weib
erniedriget sich unter die Ameise, welche für ihre kleine Wohnung und ihre
Nahrung sorgt. Sehr eingeschränkt ist die Sphäre des Weibes, weit erstreckt sich
ihr Wirkungskreis nicht; aber sehr groß kann der Nutzen sein, den sie in diesem
stiften kann, und gewiss ist die Leitung der innern Wirtschaft und aller
häuslichen Angelegenheiten, wenn der Mann solche vernachlässiget, nicht einer
der geringsten. Wie könnte ich Wohltaten erweisen, wenn ich nicht zu gleicher
Zeit auf die Erhaltung unsers Vermögens bedacht wäre? Verschwenderisch und
strafbar würde ich alsdann werden! Nein, ihr Unglücklichen! Eure Hilfe, euer
Beistand zu bleiben, muss ich Wirtschafterinn sein, und mit tätigem Fleiße
unsere Angelegenheiten besorgen! Auch meines Mannes Achtung werde ich dadurch
gewinnen. - O, wie viele Bewegungsgründe sind dieses nicht, auch diese Pflicht
redlich zu erfüllen. -
    Wir bleiben bis im Dezember hier, und - so schrecklich mir diese Einsamkeit
auch im Anfange war, so ist es mir doch jetzt angenehm, dass wir unsern
Aufenthalt noch nicht sobald verändern. Diese Stille stimmt mit meinen
Empfindungen überein; mich dünkt, ich bin hier freier und heiterer, als ich es
in B... sein würde. Nur der Glückliche kann im Geräusche der Welt Vergnügen
finden, der Unglückliche fühlt da zu sehr, dass er der Freude entsagen muss, und
die, welche ich mir bereite, finde ich in Wallental. Gern bliebe ich unter den
Eulen, welche unsre Wohnung umgeben, den ganzen Winter hier; ihr Klagelied ist
mir nicht mehr traurig, es lässt mich empfinden, dass vielleicht kein Unfall ist,
der mir ganz meine innere Zufriedenheit rauben könnte. - Mit diesem Gefühl,
Henriette, gibt es Augenblicke, in welchen ich mich glücklich preise; denn ich
erkenne, dass es das Loos aller Sterblichen ist, Widerwärtigkeiten zu erfahren;
aber nur Wenige haben gelernt, sie zu ertragen, nur Wenige sehen standhaft dem
Sturm entgegen, der nur den Mutlosen gänzlich unterdrückt. Meine Bemühungen
sollen immer sein, meine Schwäche zu bekämpfen, damit ich immer standhaft dem
Schicksal entgegen lächeln kann.« -
    So blieb Elisa sich stets gleich; immer bestrebte sie sich, auch die
kleinsten ihrer Pflichten zu erfüllen, und nie dehnte ein Weib solche mehr aus,
als sie. Ihre Aufmerksamkeit, ihre Gefälligkeit gegen Wallenheim, vermehrte sich
mit jedem Tage, und mit Wachsamkeit und tätigem Fleiße ordnete sie ihre innere
Wirtschaft und alle häusliche Angelegenheiten. Innere Ruhe und das Vergnügen,
Wallenheim weniger mürrisch, weniger unzufrieden zu sehen, waren ihr Lohn. So
reisten sie nach B... Stolz, Liebe zur Pracht und zum Spiel führten Wallenheim
in glänzende Gesellschaften, in welchen er übrigens kein
