 die nur zu wirklichen Empfindungen meiner Seele zu zerstreuen. O, es gibt
nur eine Art Zerstreuung für mich, und diese suche ich. Ich muss die Leere in
meinem Herzen ausfüllen, ich muss Empfindungen darin unterdrücken, und wie werde
ich es besser können, als wenn ich andere an ihre Stelle setze? - Ich habe
meinen Spaziergängen einen Zweck gegeben, der mich stets heiter zurückkehren
lässt; ich besuche die Einwohner des Dorfs, ich unterhalte mich mit ihnen, ich
suche ihre Liebe, ihr Vertrauen zu erlangen, und will mich beschäftigen, ihre
Bedürfnisse zu befriedigen, ihre Begriffe aufzuklären, jede Last ihnen zu
erleichtern, und jedes ihnen nützliche Vergnügen zu verschaffen. Durch ein gutes
Beispiel, durch Wohltaten, Herablassung und jene Popularität, vermöge welcher
man durch Gespräche die Begriffe des gemeinen Mannes aufklären, und ihm ein
richtiges Urteil über Recht und Unrecht geben kann, geschieht es, dass man zur
Vervollkommnung einer Menschenklasse beitragen kann, welche noch der
Aufmerksamkeit selbst der besten Menschen entgeht. Wie mancher würdige
Gutsbesitzer könnte, wenn er auf diesen Gegenstand seine Aufmerksamkeit
richtete, in dem kleinen Bezirke, in welchem sein Wille Befehl ist, Generationen
beglücken, und das durch höchst einfache Mittel! Der falsche Wert, den man den
meisten Dingen beigelegt hat, ist schuld, dass so wenig Menschen das wirklich
Nützliche erkennen, und es befördern. Fast jede Staatsverwaltung ist ein
glänzendes Rad, woran ein Jeder sich hänget, unbekümmert, ob die Säulen, welche
es stützen, auch Festigkeit genug haben. Der gemeine Mann, der in allen Staaten
den größten Teil der Einwohner ausmachet, ist der, auf dessen moralische
Bildung und physische Verbesserung seiner Lage am wenigsten Sorgfalt verwendet
wird. Glänzende politische Anschläge beschäftigen die Köpfe der Minister, aber
dem Wohl des Volks weihen sie nicht eine Stunde. Henriette, man sollte glauben,
die Menschen wären der Konvenienz und des politischen Gleichgewichtes wegen da,
so sehr beschäftigen sich unsere größten Köpfe mit allem dem glänzenden Nichts,
und so wenig mit Menschenglück. - Doch wo gerate ich hin? Ich wollte Dir sagen,
dass ich mich bestreben will, in der Sphäre, in der ich mich befinde, so viel als
möglich, nützlich zu werden; dass dieses mich stark machen wird, jede
Widerwärtigkeit zu ertragen, und dass dieses Wirken zum Wohl meiner Mitmenschen
mich von dem Gegenstande abziehen wird, der so tief in meinem Herzen eingegraben
ist. Untätigkeit nährt jede Leidenschaft, keinen Augenblick erlaube ich sie
mir; und mit jeder Stunde erkenne ich es, wie groß der Nutzen ist, wenn die
Erziehung unsern Geist ausgebildet, und uns Talente gegeben hat. Wie manches
junge Weib wird zur Koquette, weil mit einem gefühlvollen Herzen und einem
lebhaften Verstande, sie nicht
