 Achtung zu erlangen, und seine
Liebe zu erhalten; allein des Jünglings Gattin muss bei diesem noch seine
Begierden erwecken. Du musst der ersten Jugend frohen Leichtsinn annehmen! Zu
gleicher Zeit musst du seinem Herzen teuer sein, seine Sinne reitzen, und seine
Vernunft muss dir Beifall geben! Erwäge dieses recht, Henriette! Dieses ist
wahrlich nicht so leicht! Jetzt stürzt sich manches junge Mädchen in die Arme
des Jünglings, wähnt sich Ewigkeiten des Glücks, ohne eine von den Eigenschaften
zu besitzen, welche den Grund zu demselben legen könnten. Jünglingsliebe ist
nicht der Grundstein desselben, sondern Weiber-Klugheit, Weiber-Tugend. Wenn du
Heinrichs Gattin wirst, so muss es in den ersten Jahren deiner Ehe eine deiner
Hauptbemühungen sein, dass du in Heinrichs Liebe für dich immer einen hohen Grad
von Feuer und Lebhaftigkeit unterhältst. Die Vergnügungen, welche er in deinem
Umgange genießt, müssen daher stets abwechselnd sein, und ihm neu scheinen, und
es wird eine wichtige Angelegenheit für dich sein, ihm Vergnügungen zu
verschaffen, und ihm die Zeit zu vertreiben. Ich sehe es daher gern dass ihr in B
.. sein werdet, auf das Land sollten junge Eheleute, wenn der Ehemann in
Heinrichs Alter ist, nie gehen. Einförmigkeit tötet die Liebe,
Mannichfaltigkeit unterhält sie. Dieses ist ein wahrer Satz, er wird uns oft
gesagt; aber, leider! beherzigen ihn unsere jungen Weiber nicht sehr. Du, meine
Henriette, wirst, hoffe ich, ihn in Ausübung bringen, dass Heinrich nie die Zeit
lang werde, wenn er bei dir ist. Du musst die Gefährtinn seines jugendlichen
Frohsinns werden der Fröhlichkeit und dem Scherze musst du tausend verschiedene
Gestalten geben, und sie dich stets umgeben lassen. In deiner ganzen Figur musst
du einen Reitz zu unterhalten suchen, und wenn Heinrich in andern Armen
geschwärmt hat, so muss er doch stets mit Wollust in die Deinigen zurückkehren.
Dieses ist die große Kunst, von welcher kein Mädchen sich etwas träumt, von
welcher unsere Mütter uns nichts vorsagen, und welche doch so notwendig ist,
wenn besonders, wie jetzt gebräuchlich ist, nicht Männer, sondern Jünglinge
heiraten. Darum, meine Henriette, wenn du Heinrichs Gattin bist, ergreife
jedes Mittel, welches dir jene, den Weibern natürliche, Koquetterie und eine
genaue Kenntnis seines Geschmacks und seiner Neigungen, an die Hand geben, um
seiner Liebe, so weit es der Natur der Sache nach möglich ist, stets neue
Lebhaftigkeit zu geben. Verschaffe ihm Vergnügungen, und dieses oft, und dass er
dich als die Schöpferinn derselben erblicke. Doch bei diesem allem, Henriette,
wiederhole ich dir, dein Gatte wird nicht beständig sein. Allein nie müssen
deine Blicke, dein Betragen, deine
