, unsere Eltern
müssen unsere Liebe billigen. Wir müssen uns ihnen entdecken, und bis dahin kein
Wort mehr von unserer Liebe; was sie über uns beschließen, dem unterwerfe ich
mich. Sie kennen die Güte, die Tugend, die Klugheit meiner Mutter; was sie will,
ist gewiss das Beste für mich. - Nun standen wir auf, Heinrich ergriff meine
Hand, und sprach in einem feierlichen Tone: Henriette, diese Worte, über welche
vielleicht mancher Jüngling klagen würde, machen Sie mir noch
verehrungswürdiger! Ich werde mich bestreben, Sie durch Tugend zu verdienen, und
dann glaube ich, dass ich ruhig den Ausspruch Ihrer verehrungswürdigen Mutter
erwarten kann. Wir beschlossen nun, dass er heute seinen Eltern seine Liebe
entdecken, und auch Sie mit derselben bekannt machen sollte. Und nun - (in einem
ängstlichen Tone) meine Mutter, entscheiden Sie!
    Elisa. Sei ruhig, liebe Henriette, du wirst stets Gebieterinn über dich
selbst bleiben, nur du kannst über dich bestimmen! Eltern haben bloß das Recht,
ihren Kindern das Beste vorzustellen, ihnen die Mittel zu zeigen, durch welche
sie glücklich werden können, die Wahl, welche sie ergreifen wollen, muss ihnen
überlassen sein. Hier hört das Recht der Eltern auf; der Menschheit heilige
Rechte nehmen ihren Anfang, und der Mensch muss es dem Menschen überlassen,
welche Mittel zur Erreichung seines Glücks er nach seinen Empfindungen und
Vorstellungen für die besten hält, und ihn diese ergreifen lassen. Ich will dir
also meine Gedanken über eine Verbindung mit dir und Heinrichen mitteilen, und
dann, meine Henriette, kann nicht ich, sondern du musst entscheiden. Heinrich ist
jetzt achtzehn Jahr, nur wenige Monate ist er älter als du. Er wird noch ein
Jahr in G ... bleiben, dann wird er in B ... angestellt werden, und vor seinem
zwei und zwanzigsten Jahre gebe ich es nicht zu, dass er dich heiratet. Du,
meine Henriette, bist dann vollkommen fähig, Gattin, Mutter und Hausfrau zu
werden; allein Heinrich ist dann noch immer der brausende Jüngling, in der
ganzen Stärke seiner Leidenschaften. Erwarte es nicht, dass du ihn fesseln wirst!
Wenn er dir treu bleibt, und wie kannst du dir dieses für gewiss von einem
achtzehnjährigen Jüngling versprechen? so hört er auf es zu sein, wenn er dein
Gatte ist. Alles rejetzt dann noch seine Sinne, Alles erweckt seine Begierde. Du,
meine Henriette, näherst dich dann dem Alter, wo des Frauenzimmers erste Blüte
schon vorüber ist, und doch musst du deinem jugendlichen Ehemanne jetzt
reitzender erscheinen, als in den ersten Tagen eurer Liebe. Um den Mann zu
fesseln, muss das Weib sich nur bestreben, seine
