 zeigen, und
um sich eine Schaar Bewunderer zu sehen glaubt; gern möchte ich ihr zurufen: Ein
Heer der Spötter versammelst du um dich! Suche Bewunderung durch Tugend, nicht
durch Gelehrsamkeit zu erlangen!
    Henr. Billigest Du auch nicht, wenn ein wirklich kluges und bescheidenes
Frauenzimmer die Gesellschaft gelehrter Männer sucht, nicht um zu glänzen,
sondern um zu hören?
    Elisa. Dieses ist der Strand, an dem die Bescheidenheit scheitert, und
Eitelkeit und das Verlangen zu glänzen, sich ihrer Seele bemächtigen. Ich
verlange nicht, dass ein Frauenzimmer sich das Vergnügen einer klugen
Unterhaltung untersagen soll; sie soll den klugen Mann nicht meiden, sie kann
ihn suchen, nur nicht pedantisch ihm anhängen, nicht gelehrte Klubs besuchen.
Denn macht sie hierdurch nicht schon einen Anspruch auf Gelehrsamkeit? Sich in
der Gesellschaft gelehrter Männer befinden! - O, Ihr Weiber! die Ihr Euch über
den gemeinen Haufen Eures Geschlechts erhebt! die Ihr richtige Kenntnisse und
Bescheidenheit besitzt, sagt selbst: Macht dieser Gedanke Euch nicht stolz?
Erregte er nie Eure Eitelkeit? Waret Ihr nur immer Zuhörerinnen? Empfandet Ihr
nie das Verlangen, selbst zu glänzen? Erfülltet Ihr es nie? Und endlich,
verliesst Ihr diese Gesellschaften mit dem Vorsatze, bessere Gattinnen, bessere
Mütter, bessere Kinder, bessere Menschen zu sein? Oder wolltet Ihr nicht
vielmehr, bei Vernachlässigung Eurer wichtigsten Pflichten, Euch in den Stand
setzen, einen der ersten Plätze in diesem geistreichen Zirkel einzunehmen? War
Euer Gefühl für Tugend wärmer, als wenn einsam Ihr Euch mit Euren Betrachtungen
über Euch selbst, über Eure Pflichten, über den Zweck des Menschen, über Gott
und die Schöpfung unterhieltet? Nein, gewiss nicht! aber auch nicht gelehrter
verliesst Ihr jene Gesellschaften, und das Vergnügen, das Ihr empfandet,
entsprang bloß aus der Eitelkeit.
    Henr. O, meine Elisa! dass doch unsere Schwestern, welche aus Verblendung
irren, Deinen Zuruf gehört hätten! Sie halten jene gelehrten Klubs für ganz
unschädlich.
    Elisa. Sie glauben vielmehr, Veredlung des Geistes da zu finden. Es wird da
so viel über Tugend, über unsere Gefühle und Leidenschaften moralisirt. Die
großen Worte: Philosophie, Religion, Naturalismus, Toleranz und Menschenliebe,
werden so oft wiederholt, dass man das, was man hört, zu sein glaubt. Schöne,
erhabene Gedanken, welche in einer Versammlung gelehrter Männer gewiss oft statt
finden, werden zwar mit Begeisterung angehört, aber das Verlangen, selbst
Bewunderung zu erregen, erlaubt dem Verstande nicht, sie richtig zu fassen, sie
sich verständlich zu machen, und sie bleiben ohne Nutzen. Ja, ich behaupte, dass
selbst Männer diese Klubs ohne Nutzen besuchen; denn ein jeder kommt nur hin,
sich selbst und nicht
