 öffentlichen hat, noch einige
Zweifel haben? Man wendet ja auf die erste weit mehr Sorgfalt? Kennt man den
Lehrer, dessen Privat- man in einer öffentlichen Erziehungs-Anstalt die Kinder
übergibt? Weiß man, ob er sich ihre Erziehung angelegen sein lässt? Kann man ihn
beobachten? - Nein, man setzt sich außer Stand, die Erziehung seines Kindes
selbst zu ordnen, das Fehlerhafte davon zu entdecken, und ihm abzuhelfen. Man
weiß vielmehr, dass das Kind meistens sich selbst überlassen ist, dass es mit so
vielen die Bemühungen des Lehrers teile, dass es diesem unmöglich ist, seine
Beschäftigungen und seine Aufmerksamkeit nur einem zu widmen; man muss es also
auf das Ohngefähr ankommen lassen, ob das Kind zum guten oder zum schlechten
Menschen, zum nützlichen Bürger, oder zum ausschweifenden Toren gebildet werde.
Allein wenn wir unsern Sohn im Hause behalten, so können wir ja alle Sorgfalt
auf seine Erziehung wenden; er bleibt unter beständiger Aufsicht. Und wenn auch
Sie, lieber Wallenheim, diesem Geschäfte keine Zeit widmen können, so werden
doch die Bemühungen zweier, die, eines geschickten Erziehers, (denn diesen hoffe
ich durch die Mittel, die ich ihnen gesagt habe, zu erhalten) und die meinigen,
fruchtbarer sein, als der geteilte Unterricht eines Lehrers, den kein so
starkes Interesse belebt. Wird man wohl in einer öffentlichen Erziehungs-Anstalt
so die Handlungen meines Kindes beobachten, so seine Neigungen ausspähen, und
ihnen die edle Richtung geben, wie ich beflissen sein werde, es zu tun? Glauben
Sie mir, Wallenheim, Eltern sind die besten Erzieher, wenn sie es aufrichtig
sein wollen, und zu diesem Geschäfte die erforderlichen Einsichten besitzen! Ich
zittere für Karln, wenn man nicht sucht, seinem Charakter Festigkeit zu geben.
Vielleicht wird es kein Anderer bemerken, dass in seinem Charakter eine
Leichtigkeit ist, welche zur Schwäche wird. Ich, die ich ihn immer beobachte,
habe dieses nur zu oft wahrgenommen. Er beharrt nie auf einem einmal genommenen
Entschluss; augenblicklich geht er durch Anderer Zureden, durch den Anblick
anderer Gegenstände, von dem, was er tun wollte, ab. Diese Schwäche kann ihn
einst, mit den besten Eigenschaften, zu den größten Fehlern, selbst Verbrechen
verleiten. Auch hatte ich schon auf Mittel gedacht, ihm Festigkeit zu geben. Ich
wollte, wenn er erst selbst Schlüsse machen könnte, Proben veranstalten, durch
welche er den Schaden seiner Nachgiebigkeit selbst empfinden sollte; dieses oft
und auf verschiedene Art wiederholt, würde gewiss endlich Festigkeit in ihm
hervorbringen. - Und dieses Alles wird in einer öffentlichen Erziehungsanstalt
verabsäumt. Da wird an keine Bildung des Charakters gedacht, keine Mittel
gebraucht, durch welche moralische Eigenschaften in den Seelen der
