 angenehm machen. Wenn wir diesen gefunden
haben, o so lassen Sie von seinem ersten Eintritt in unser Haus, völlige
Gleichheit unter uns eingeführt sein, damit wir seinen Charakter und seine
Meinungen über Erziehung kennen lernen; lassen Sie uns ihm unsere Begriffe
darüber mitteilen, und gemeinschaftlich einen Erziehungsplan entwerfen, nach
unsern vereinigten Einsichten den besten, und ihn gemeinschaftlich ausführen.
    Wallenh. Zu allem diesen habe ich nicht Zeit; dieser schöne Plan wird also
wohl müssen unausgeführt bleiben.
    Elisa. O, so vertrauen Sie mir das Geschäft! Es wird mir zu wichtig sein,
als dass ich es je vernachlässigen sollte! Glauoen Sie denn, Wallenheim, dass
Fremde mit mehrerer Aufmerksamkeit über Ihren Sohn wachen werden, als ich, seine
Mutter? Glauben Sie, dass ihre Bemühungen für seine Erziehung ernstlicher sein
werden, als die meinigen? Doch vielleicht könnte es mir noch an hinlänglicher
Kenntnis fehlen; allein auch die will ich suchen zu erlangen. Sie sollen den
Entwurf zu seiner Erziehung beurteilen, so viel Zeit werden Sie ja wohl haben?
Er soll mit dem übereinstimmen, was hierüber am besten gesagt und geschrieben
worden ist, und vorzüglich, er soll dem Charakter meines Sohnes angemessen sein.
Versuchen Sie es doch nur! Überlegen Sie doch nur meine Gründe!
    Wallenh. Welche haben Sie denn gegen die Erziehung außer dem Hause?
    Elisa. Beispiele haben mir so oft gezeigt, dass sie von allen die
schlechteste ist; denn sie wird gewiss immer am meisten vernachlässiget. Die
Kinder sind ja fast nur in den öffentlichen Lehrstunden unter Aufsicht; auf ihre
Handlungen wird nicht gemerkt; man sucht nicht Begierde nach Kenntnissen in
ihnen zu erregen, und die Bildung ihres Herzens wird gänzlich unterlassen.
    Wallenh. Allein sie lernen Menschen- und Weltkenntnis; sie lernen mit
Menschen umgehen, und die Regeln der Vorsicht praktisch ausführen.
    Elisa. Sollte man in der Privaterziehung nicht auch diesen Vorteil erlangen
können, wenn man Proben veranstaltete, welche die Kinder Erfahrung lehrten? und
gesetzt, man erreichte dieses nicht ganz in dem Grade, sollte der kluge,
einsichtsvolle, mit festen Grundsätzen begabte Jüngling, wenn er in die Welt
tritt, nicht bald lernen, den Regeln der Klugheit und der Vorsicht gemäß zu
handeln? Man lehre ihn beobachten, und er wird bald die Menschen und die Welt
kennen lernen; und seine Beobachtungen werden für ihn von doppeltem Nuzzen sein,
da er sie nicht unter fremder Leitung, sondern mit dem recht angewandten
Gebrauche seiner reifern Vernunft anstellte.
    Wallenh. Um eben dieser kluge, einsichtsvolle Jüngling zu werden, will ich
ihn in eine öffentliche Erziehungs-Anstalt bringen.
    Elisa. Und dieser Zweck wird da vielleicht am ersten verfehlt. Wie kann man
über den Vorzug, den die Privaterziehung vor der
