 diesem
Grundsatze gemäß. Zeigt es erst den Menschen, dass dieses so ist, sprach sie zu
ihrer Henriette, und dann fordert es von ihnen! Klagt nicht, dass das Glück nicht
das Verdienst belohnt, zeigt, dass es in eurem Verdienste, in eurer Tugend, in
Euch selbst besteht, dass fremde Güter es Euch nicht geben, und Unfälle es Euch
nicht rauben können, weil Ihr es mit Euch führt! Bereitet Tugenden der künftigen
Generation, und erzeiget der gegenwärtigen Gutes! Oft muss ein halbes Jahrhundert
erst eine Revolution in der Denkungsart bewirken. - So wurde Elisa, immer noch
feurig in ihren Empfindungen, kalt in ihren Urteilen und Schlüssen; sie empfand
lebhaft, aber sie dachte richtig. Uneigennützige Liebe und Wohlwollen hegte sie
gegen alle Menschen, aber sie erwartete sie nicht von ihnen; wenn sie sie
antraf, empfing sie die Beweise davon mit Dank und Rührung. Jedoch weit
entfernt, misstrauisch zu sein, ahndete sie nicht Böses in jeder Handlung ihrer
Mitgeschöpfe; nein, sie wusste, dass die Menschen immer nach dem Guten streben,
und dass falsche Begriffe allein sie irre leiten; nie würden sie einander
beleidigen, nie sich zu schaden suchen, wenn sie sich nicht gegenseitig als ein
Hindernis ihrer Glückseeligkeit betrachteten. Dieses machte sie weniger
empfindlich für Beleidigungen, und bereiter zu verzeihen. Liebe und Güte
schienen in der ganzen Natur zu atmen, und schienen allein ihr Wesen
auszumachen. Sie verehrte in allen Geschöpfen den ersten Ursprung aller Wesen.
Wenn sie zum Himmel blickte, sich Millionen Welten dachte, so verlor sich ihr
Geist in diesen Betrachtungen. Die Pracht, die Größe, die Mannichfaltigkeit der
Welt erhob ihn; im stummen Staunen stand sie da, und empfand endlich, dass der
Geist zu dieser Unendlichkeit sich nicht erheben könnte; wenn aber der Gesang
der Vögel im nahen Hain erschallte, wenn der Nachtigall liebliches Lied ertönte,
wenn sie den brausenden Käfer, den Wurm zu ihren Füßen, die wimmelnden Insekten,
welche die Lust erfüllten, sah, dann fiel sie nieder und rief aus: Ja, du bist!
du bist! Der Wurm so wie der Sternen Heere beweisen dein Dasein; das Insekt, das
ich einatme, zeigt deine Größe! - Und dieses Gefühl vom Dasein eines ersten
Wesens, welches nur Sophisterei bezweifelt, das Herz aber immer erkennt, und der
Verstand immer begreift, war ihr das seligste. Wohin sie sah, erblickte sie den
Urheber alles Seins: Was du auch bist, sprach sie, gewiss, du hörst nie auf zu
wirken; ich erkenne es, deine Kraft belebt die ganze Natur! - Elisa glaubte, dass
es des Menschen edelstes Geschäft wäre, den Geist aufzuklären, und ihn dadurch
zu veredeln; sie
