
        
                        Wilhelmine Karoline von Wobeser
                                     Elisa
                        oder das Weib wie es sein sollte
  Fater of light and life! tou Good supreme!
 O teach me what is good! teach me Tyself!
 Save me from folly, vanity and vice,
 From every low pursuit! and feed my soul
 Wit Knowledge, conscious peace, and virtue pure;
 Sacred, substantial, never fading bliss!
                                      Allen
                                        
                               deutschen Mädchen
                                        
                                      und
                                        
                                    Weibern
                                        
                                   gewidmet.
 
In einem Jahrhundert, in welchem Kultur, Aufklärung und Verfeinerung zu einem so
hohen Grade gestiegen sind, sollte man natürlicherweise den Einfluss davon auch
auf das andere Geschlecht bemerken. Man könnte erwarten, unter den Weibern mehr
Ausbildung des Geistes, und richtigere Begriffe von ihren Pflichten und von
ihrer Bestimmung zu finden. Sie, welche in alle Verhältnisse des bürgerlichen
Lebens verflochten sind, deren Einfluss sich von den einzelnen Teilen auf das
Ganze erstreckt, sind noch weit entfernt, den Platz auszufüllen, welchen sie in
der bürgerlichen Gesellschaft einnehmen. In der großen Welt sind die Weiber in
ihren Sitten, Ton und Manieren verfeinert; allein an wahrer Geisteskultur fehlt
es ihnen. Doch über diese Sphäre hat der Luxus zu sehr seine verderblichen
Fittige ausgebreitet, als dass man hier hoffen könnte, durch heilsame, aber
einfache Wahrheiten, Gutes stiften zu können. Ich wende mich also an Euch, meine
Mitbürgerinnen, die ihr nicht zu der Klasse gehört, in welcher die Bildung des
Äußern der letzte Zweck der Erziehung zu sein scheint, und wo auf die Begierde
zu gefallen, alle Fähigkeiten des jungen Mädchens gerichtet werden. Euch trage
ich das Resultat meiner Betrachtungen vor. Euch widme ich dieses Werk, welches
ich nur darum schrieb, um in den Herzen mancher unter Euch gute Empfindungen zu
erwecken. Ich traure oft, wenn ich sehe, dass eine so große Anzahl von
Geschöpfen, von der Natur mit ihren schönsten Anlagen begabt, entweder durch
Erziehung verdrehet, oder ungebildet und roh auf der Bahn des Lebens
fortwandelt, ohne im Geringsten sich ihrer Bestimmung zu nähern. Es tut mir
wehe, Menschen zu sehen, welche so tief unter dem wahren Menschen stehen: und
wäre mein Buch nur ein Tropfen im Meere der Wahrheit und Aufklärung, so ist mir
der Gedanke doch süß, vielleicht durch diesen Tropfen Einigen meiner
Mitbürgerinnen Erkenntnis ihrer Bestimmung gegeben zu haben; denn der
Gesichtspunkt, aus welchem das Weib betrachtet wird, ist meistens noch falsch,
er ist selbst bei wenigen Männern nur richtig. Nur weil man sich noch nicht
recht überzeugen will, wie groß der Nutzen sein kann, den das Weib in ihrer
Sphäre zu stiften vermag, bleiben so viele Kräfte ihrer Seele unentwickelt. Die
Erziehung, welche die Weiber bekommen, kann in zwei Klassen geteilt werden: in
der Einen wird alles auf das schimmernde
