 wenig - die Hoffnung hält so wenig - der Säe- und Pflanztage
der Freude stehen im berlinischen Kalender so wenige - wenn ihr nun vollends so
dumm wäret und ganze Stunden und Olympiaden voll Lust als Eingemachtes
wegsetztet und aufhöbet im Keller, um, der Henker weiß wenn, darüber zu geraten
über ganze eingepökelte marinierte 60 Jahre - - ich sage, wenn ihr nicht an
jeder Stundentraube die Minutenbeere auskeltertet wenigstens mit einigen
Zitronendrückern - - - was würde denn am Ende daraus werden? ... weiter nichts
als die Moral zu meiner ersten und letzten Fabel, die ich einmal vor einem
Hannoveraner gemacht«...
    Ich wollt', der Leser wollte sie; denn sie lautet so:
    »Der dumme Hamster, heißt der Titel. Diesen brachte einmal der volle Kropf
einer Taube, den er ausfrass, auf die Preisfrage, ob es nicht besser wäre, wenn
er statt einzelner Körnchen lieber Tauben mit ganzen Kornmagazinen am Halse
eintrüge. Er tats. An einem langen Sommertag inhaftierte er einen halben
Taubenflug mit gefüllten Kröpfen; aber er riss keinen Kropf entzwei, sondern
sparte sich hungernd alles zusammen auf Abend und Morgen, erstlich um recht viel
Tauben einzufangen, zweitens um den Körner-Knaul abends durchgeweicht zu
schmausen. Er schljetzte endlich abends seinen Zehend-Offizianten die Kröpfe auf,
sechsen, neunen, allen - kein Körnchen war mehr da, die Inhaftaten hatten alles
schon selber verdaut; und der Hamster war so dumm gewesen wie ein - Geizhals.«
    So weit der dritte und der vierzigste Hundposttag-Armer Viktor!
    Nachschrift. Die Geschichte hält jetzt im Monat August und der
Geschichtschreiber vorn am Oktober - bloß ein Monat liegt zwischen beiden.
 
                                41. Hundposttag
  Brief - zwei neue Einschnitte des Schicksals - des Lords Glaubensbekenntnis
Man schenke einem Menschen, der, gleich Pferden, in der Nähe der Nacht und der
Heimat stärker läuft, den zehnten Schalttag; am Ende eines Lebens und eines
Buchs macht der Mensch wenig Ausschweifungen.
    Ich hab' es schon gesagt, dass nichts das Seelen-und Rückenmark mehr aus
einem Menschen presset, als wenn ihm sein Unglück kein Handeln vergönnt; das
Schicksal hielt unsern Viktor noch fest mit der einen Hand, um ihn wund zu
schlagen mit der andern, als in diesen Trauerwochen das Schöpfrad der Zeit zwei
neue Tränenkrüge im Herzen der Menschen einschöpfte und in die Ewigkeit
hinausgoss. Erstlich kam die trübe Nachricht wie Trauergeläute an Viktors Ohr,
dass sein ehemaliger Jugendfreund Flamin einen Schritt, zu dem es ohne das
Überwerfen mit ihm nie gekommen wäre, wohl mit dem Tode büßen werde. Einige Tage
nach den Kanikularferien - gerade als vor einem Jahre der arme Gefangne sein
neues Amt mit so vielen menschenfreundlichen Hoffnungen angetreten hatte - zog
jenes Gerücht wie eine Pestwolke
