 und das Geburtfest war zu
einem Bundfeste aufgeblühet, zu einem Oppositionklub, wo sich alles, aber in
einem höheren Sinne als Quäker und Kaufleute, Freund nannte. Die Drillinge
hielten altbritische Reden, die nur freie Menschen verstehen konnten. Viktor
wunderte sich über die allgemeine Freimütigkeit vor einer so gestachelten
Schmeiß-Mouche, wie Matthieu war - aber die Engländer fragten nach nichts. Der
Pfarrer schickte Herzgebete ab und sagte: »er seines Orts nehme wenig Notiz
davon und bitte nur leiser zu haranguieren, damit er nicht in den Ruf käme, als
ob er pietistische Konventikel in seiner Pfarre zuliesse; inzwischen steif' er
sich ganz auf den Herrn Hofmedikus und Herrn Hofjunker, die ihn gegen Fiskalate
gewisslich decken würden; sonst würd' er Frau und Sohn nicht mit dreinsprechen
lassen.« Die Pfarrerin zog die Erinnerungen an ihr freies Vaterland den besten
Verleumdungen und Moden vor. Viktor musste heute sein Versprechen halten, seine
republikanische Ortodoxie außer Zweifel zu setzen; und da er solches vor unsern
Ohren gab, wollen wir auch mit sehen, wie er es hält und ob er ein Alt-Brite
ist.
    Er ahmte meistens den Stil nach, den er zuletzt gelesen oder - wie heute -
gehört hatte; daher sprach er in Sentenzen wie der eine brennend-kalte
Engländer.
    »Kein Staat ist frei, als der sich liebt; das Maß der Vaterlandliebe ist das
Maß der Freiheit. Was ist denn nun diese Freiheit? Die Geschichte ist der La
Morgue-Platz92, wo jeder die taten Verwandten seines Herzens sucht: fragt die
großen Toten aus Sparta, Athen und Rom, was Freiheit ist! Ihre ewigen Festtage -
ihre Spiele - ihre ewigen Kriege - ihre steten Opfer des Vermögens und Lebens -
ihre Verachtung des Reichtums, des Handels und der Handwerker können den
kameralistischen Landesflor nicht zum Ziel der Freiheit machen. Aber der
konsequente Despot muss den sinnlichen Wohlstand seiner Neger-Pflanzung
betreiben. Der Druck und die Milde, die Ungerechtigkeit und die Tugend eines
Einzelnen machen so wenig den Unterschied zwischen sklavischer und freier
Regierform aus, dass Rom eine Sklavin war unter den Antoninen, und eine Freie
unter dem Sulla93. - Nicht jeder Bund, sondern der Zweck des Bundes, nicht das
Vereinigen unter gemeinschaftliche Gesetze, sondern der Inhalt derselben geben
der Seele die Flügel des Patriotismus; denn sonst wäre jede Hansa, jeder
Handelsbund ein pytagorischer und zeugte Sparter. Das, wofür der Mensch Blut
und Güter gibt, muss etwas Höheres als beides sein; - eigenes Leben und Vermögen
zu beschützen, hat der Gute nicht so viel Tapferkeit, als er hat, wenn er für
fremdes kämpft; - die Mutter wagt nichts für sich und alles für das Kind kurz
nur für das Edlere in sich, für
