 kann sich ein Mann so sehr ausbreiten wie ein Royalbogen; in
Frankreich, wo sich die Brille der Weisheit in glänzende Spitzen zersplittert,
muss einer so kurz sein wie ein Besuchblatt. Hundertmal schweigt der Weise vor
Gecken, weil er dreiundzwanzig Bogen braucht, um seine Meinung zu sagen - Gecken
brauchen nur Zeilen, ihre Meinungen sind herauffahrende Inseln und hängen mit
nichts zusammen als mit der Eitelkeit.... Noch merk' ich an, dass zwischen dem
Lord und seinem Sohne eine höfliche feine Behutsamkeit obwaltete, die in einem
so nahen Verhältnisse nur aus ihrem Stande, aus ihrer Denkart und ihrer häufigen
Abtrennung zu beurteilen ist. -
    »Aber meine Gegenwart ist vielleicht noch schlimmer. Die Prinzessin« - -
    (Die Braut des Fürsten, da seine erste Gemahlin bald und kinderlos starb,
wie Spitz sagt)
    »Die Prinzessin bringt einen Strom von Zerstreuungen mit, worin er keine
Stimme als die, die zum Vergnügen lockt, mehr hören wird. Ein unterbrochner
Einfluss ist ein verlorner. Auch bin ich bis zu einem gewissen Punkte dieses
Spieles so müde, dass ich den neuen Verbindungen, in die mich diese neue
Erscheinung zöge, gern entfliehe. Sollte sie ihn nicht lieben, wie man sagt, so
könnte sie ihn um so leichter beherrschen; und dann wäre meine Abwesenheit
wieder nicht gut. - Mich beiseite! aber was nimmst du vor, solang' ich weg bin?«
    Nach einer Viertelpause antwortete er selber. »Du wirst sein Leibarzt,
Viktor!«Viktors Hand zuckte in der väterlichen. »Du bist ihm schon versprochen,
und er sehnet sich nach dir, bloß weil ich dich oft genannt habe. Er kann es
nicht erwarten, zu erfahren, wie jemand aussieht, dessen Vater er so gut kennt.
Als Leibarzt kannst du ihn mit deiner Kunst und mit deiner Laune so lange
fremden Fesseln entziehen, bis ich wiederkomme; dann leg' ich ihm noch sanftere
an und gehe auf immer zurück. Meine Verbindung hatte bisher bloß die Absicht,
fremde abzuwenden, besonders eine gewisse« - (Mit voller Brust und andrer
Stimme) »Mein Geliebter! Es ist auf der Erde schwer, Tugend, Freiheit und Glück
zu erwerben, aber es ist noch schwerer, sie auszubreiten; der Weise bekommt
alles von sich, der Tor alles von andern. Der Freie muss den Sklaven erlösen, der
Weise für den Toren denken, der Glückliche für den Unglücklichen arbeiten.«
    Er stand auf und setzte Viktors Ja voraus. Dieser musste ihm also unter dem
Gehen seinen Rednerfluss zutröpfeln. Er fing mit gehäuftem Atem an: »Ich
verabscheue aufs heftigste den Samielwind der Hofluft«...
    Bei mir hats der Lord zu verantworten, dass der Sohn hier die
