 gleichwohl wie
andern Berghauptleuten ergehen könnte, vor denen das zerstreuete Publikum oft
nicht eher den Hut abgenommen, als bis sie schon in eine andere Gasse, d.h.
Welt, hinein gewesen, u.s.w. Wer besorgt letztes mehr als ich selber? Aber auch
diese Besorgnis bringt einen bescheidenen Mann nicht dazu, dass er hinabkriecht
und den Einbläser seines Lobredners macht; wie ich doch getan haben würde, wenn
ich fort ausgezogen hätte. Meinem Gefühle sind sogar die Schriftsteller verhasst,
die mit dem Endtriller: »Bescheidenheit verbiete ihnen, mehr zu sagen«
unverschämt erst dann nachkommen, wenn sie alles schon gesagt haben, was jene
verbieten kann.
    Jetzt wagt sich der Korrespondent mit seiner Absicht hervor, mich zum
Lebensbeschreiber einer ungenannten Familiengeschichte zu machen. Er bittet, er
intrigieret, er trotzt. »Er könne« - (schreibt er weitläuftiger, aber ich
abbreviere alles und trag' überhaupt diesen Briefauszug mit außerordentlich
wenig Verstand vor; denn ich werde seit einer halben Stunde von einer verdammten
Ratten-Bestie ungemein ärgerlich gekratzt und genagt) - »mir alles gerichtlich
dokumentieren, dürfe mir aber keine andere Namen der Personagen in dieser
Historie melden als verfälschte, weil mir nicht ganz zu trauen sei - er kläre
mir schon alles mit der Zeit auf - denn an dieser Geschichte und deren
Entwicklung arbeite das Schicksal selber noch, und er händige mir hier nur die
Schnauze davon ein und werde mir ein Glied nach dem andern, so wie es von der
Drechselbank der Zeit abfalle, richtig übermachen, bis wir den Schwanz hätten -
daher werde der briefliche Spitz regelmäßig weg- und anschwimmen wie eine poste
aux ânes, aber nachschiffen dürf' ich dem Briefträger nicht - und so« (schliesset
der Korrespondent, der sich Knef unterzeichnet) »werde mir der Hund wie ein
Pegasus so viel Nahrungsaft zutragen, dass ich statt des dünnen Vergissmeinnichts
eines Almanachs einen dicken Kohlstrunk von Folianten in die Höhe zöge.«
    Wie glücklich er seine Absicht erreicht habe, weiß der Leser, der ja eben
aus dem ersten Kapitel dieser Geschichte herkömmt, das der Spitz von Eymanns
Ratten bis zur Kanonade auf einmal in der Flasche hatte.
    Ich schrieb Herrn Knef nur so viel im Kürbis zurück: »Etwas Tolles schlag'
ich selten ab. - Ihre Schmeicheleien würden mich stolz machen, wenn ichs nicht
schon wäre; daher schaden Schmeichler wenig. - Ich finde die beste Welt bloß im
Mikrokosmus ansässig, und mein Arkadien langt nicht über die vier Gehirnkammern
hinaus; die Gegenwart ist für nichts als den Magen des Menschen gemacht; die
Vergangenheit besteht aus der Geschichte, die wieder eine zusammengeschobene,
von Ermordeten bewohnte Gegenwart, und bloß ein Deklinatorium unsrer ewigen
waagrechten Abweichungen vom kalten Pole der Wahrheit
