 und hinter ihrem
schönsten, tröstendsten Gefühl lauerte ihre künftige Hölle; Roger lenkte mit
wundem Herzen alles Feuer seines Willens und die feste Redlichkeit seiner
Grundsäze auf ein blutiges - unsichres Ziel; und Theodor wurde das blinde
Werkzeug des selbstsüchtigen Stolzes und der Unterdrükung, er dünkte sich über
die Schwächen der Menschheit erhaben, indem er aus kalterzigem Ehrgeiz der
hirnlosen Erbin eines großen Namens seine Hand gab, indem er einem Geschöpf
ohne Tugend und Weiblichkeit zuschwor, nie einer andern zu gehören. Wir wollen
ihn selbst hören die Täuschungen auseinander setzen, in welche er sich wiegte.
    »Der erste Vorschlag dieser Heirat überraschte mein eigennüziges Herz. Ich
hatte das Fräulein Vieilleroche bei einigen Gelegenheiten gesehen; und von dem
Augenblick, da ich sie mir als meine Gattin dachte, drängte sich Sara's Bild
neben sie, und mit allen Reizen der weiblichen Tugend umstrahlt, schien ihr
Vestalinnenblik mich zu fragen: ist dieses das Ideal, das deine Sara verdrängen
darf? Mit Schauder sah ich die mir bestimmte Braut neben diesem heiligen Bilde;
wenn es meinem Auge gelungen war, durch die Verstellung der Kunst bis zu ihrem
wahren Gesicht zu dringen, so scheuchte mich ihr kalter, unstäter, Lebhaftigkeit
nachäffender Blick, und die blasse Wange, und der erschlafte, nichts sagende
Mund, auf welchem leeres Lächeln und die Härte des Stolzes abwechseln - O mein
Vater, hatte ich für dieses Weib mein Herz neu und meine Sinne rein erhalten in
meiner glühenden Jugend? Ich zerfleische wieder mein innerstes Gefühl, indem ich
Ihnen die Größe meines Opfers schildre. Um mir aber einen Schwiegervater, eine
ganze Familie zu verbinden, deren Ehre und Sicherheit es ihr nun zur Pflicht
auflegen, mir in meinen Unternehmungen beizustehen, um die Stüzen des besten
Königs, der erhabensten Frau fester zu gründen, siegte ich über mein
widerspenstiges Herz. Ich schied auf ewig von allen Ansprüchen auf häusliches
Glük - Vater! möge Sara Ihnen bald mit einem würdigen Gatten die
Schwiegertochter ersetzen, die Ihrem Herzen ewig fremd sein wird! Es war eine
Zeit, wo ich ihn zu wissen glaubte, den Mann, mit welchem ich den Namen Ihres
Sohnes zu teilen gewünscht hätte; jetzt müsste ich zittern, wenn mich meine
angebetete Schwester zwänge, in meinem Bruder einen Rebellen zu erkennen. - -
    Ich kann mich über so manche, zum Teil äußerst peinliche Schritte, zu
denen mich meine Lage und meine Überzeugung zwingt, nicht deutlicher erklären.
Verzeihen Sie Ihrem Sohn die letzte Schwäche, die er sich erlaubt: Ihnen zu
sagen, dass es schwere Pflichten sind, die mir geboten, so manche Neigung zu
erstiken, so manches schöne Gefühl meines Herzens zu ewigem Schweigen zu
verdammen, so manchen lange geehrten Grundsaz beiseite zu stellen, und mir für
diese eiserne
