 ihm ihr ganzes Geschlecht, und machte es ihm so
ehrwürdig, dass er die einzigen weiblichen Geschöpfe, die er in seinem Dienst und
durch den Umgang mit seinen Kameraden zu sehen Gelegenheit gehabt, nie mit
diesem Geschlecht in die mindeste Verbindung gebracht hatte.
    Der Zufall führte ihm ein Mädchen zu, die er zu seinem Weibe machte, nachdem
er sie schon durch alle Bande der Dankbarkeit an sich gefesselt hatte.
Leidenschaftlich lieben konnte der vierzigjährige Mann wohl nicht mehr, aber mit
dem vollsten Zutrauen sein ganzes Glük aus den Händen eines reizenden Weibes
erwarten, die ihm mehr wie das Leben zu verdanken hatte, das konnte er mit mehr
Einmischung seiner ganzen Seele als manche heftige Leidenschaft erfordert. Er
ward auch glücklich, und zwei Kinder, Theodor und Sara, schienen ihn auf immer an
die Fehler, Leiden und Genüsse der gebrechlichen Menschheit zu knüpfen, als die
unergründliche Staatskunst des französischen Hofs seine Untertanen nach Amerika
schikte, um dem kühnen Volke eines andern Weltteils ein Gut erkämpfen zu
helfen, das bei ihnen Majestätsverbrechen geheißen hätte. Seldorf konnte bei
seinem Gefühl und seiner Denkungsart dem Ruf seines Monarchen für Freiheit und
Volksglück zu streiten, nicht als bloßer Mietling folgen. Erstaunt durch einen
Dienst, wie der seinige, aufgefordert zu sein, für die Sache der Menschheit zu
fechten, flog er auf seinen Posten, und die Freude seiner Seeleute jauchzte ihm
entgegen. Das wohlgemute Volk hatte unter Seldorf gesiegt, und sein Blut
vergossen aus gewohntem Gehorsam, die wenigsten darunter bekümmerten sich
ernstaft um das Wesen und den Grund des Kampfes; indessen trieben sich manche
unbestimmte Begriffe und Sagen von den Taten und dem Vorhaben der neuen
Bundsgenossen jenseit des Oceans in den leichtfassenden Köpfen dieser Nation
umher, und ob es schon verworren genug darum aussah, so gibt es doch einen Ton,
der rein angeschlagen in jedem denkenden Wesen wiedertönt - Freiheit heißt er,
und der Lerche kühner Flug im Duft der Morgenröte verkündet ihn der ganzen
Schöpfung wie das geopferte Leben von Tausenden ihn in das Ohr der Tirannei
ruft.
    Für Seldorf war dieser Krieg ein wichtiges, ernstes Schauspiel. Er hielt
sich lange in den amerikanischen Häfen auf, und folgte mit spähendem Blick der
Schöpfung der Freiheit um ihn her. Jetzt sah er die Menschheit in einem neuen und
wohltätigen Lichte, er verglich die Bewohner jenes Landes mit dem braven,
empfänglichen Volke, unter welchem er seit seiner Kindheit lebte, dachte den
Abgrund von Elend, worin es verschmachtete, und wenn mancher schwarzlokkiger
Knabe mit kindischem Mut den oft gehörten Ruf von Freiheit und Eigentum
nachrief, sah er seines Theodors unterdrüktes Verdienst an den Stufen des Trons
zertreten. Er selbst war mit seinem kleinen Haufen fast immer des Sieges gewiss
gewesen, aber was vermochte die edelmütige Tapferkeit eines Seldorfs gegen die
Machinationen
