 Geistes gehört mit
zur Schönheit der ganzen Schöpfung. Alles schön und am besten machen kann das
Menschengeschlecht nie, noch weniger ein einzelner Mensch; und in dieser Zeit,
in diesem Lande, wo die letzten Bande der Gesellschaft vom Laster gelöst werden«
- Schnell verlosch hier der glänzende Blick des alten Mannes; er kehrte von dem
schaudernden Bild des Jahrhunderts wieder zu der Lehre zurück, die er dem
aufblühenden Enkel gab. - »Aber glaube mir, Sohn, jede Bemühung etwas Gutes zu
tun pflanzt dir dein verheissenes Paradies, sie ist ein Stein zum Gebäude; und
siehst du es auch nie fertig, so kannst du doch einst zu deinem Enkel sagen, wie
ich zu dir: ich hinderte den Bau niemals!« Dieses menschlich weise Geschwäz war
für Rogers gutes Herz mehr gemacht, als für seinen gewaltigen Sinn. Wenn er - um
in der Allegorie seines Großvaters zu bleiben - so manchen tauglichen Stein
herbeischleppen sah, den der Baumeister verwarf, oder ein schlechter Arbeiter
verkleisterte, ja wenn er alle Augenblike wahrnahm, das Gebäude könnte nach der
Anlage unmöglich bestehen, sondern müsste krumm und schief und der Welt zum Spott
ausfallen, bis es endlich gar über die sauberen Künstler zusammenstürzte; so ward
es ihm heiß vor der Stirne, er sann und maß seine Kräfte, und fragte furchtsam
den freundlichen Ahnherrn: ob es nicht besser sein möchte, die ganze Gaukelbude
umzureissen? Lächelnd über den Feuereifer des Jünglings sagte dieser: Und wenn
der Schutt nun da läge, wo wohnte man dann, und wer hälfe dir wiederbauen? -
Vater, die Natur gab jedem Geschöpf die Freiheit sich seine Wohnung zu wählen,
und sendet nur Sonne, Tau und Regen, damit es habe was es zu seinem Gedeihen
braucht; warum sollte der Mensch nicht frei leben, wie sein Sinn ihn leitet? Und
was braucht er andre Geseze, als die ihn sein bestes Gedeihen lehren? - Roger,
mein Sohn! antwortete Bertier mit Ernst, fehlte dir je die Freiheit
rechtschaffen zu sein? Von der Tugend führt nur Ein Scheideweg - in's Grab; und
kein Missbrauch der Menschen versagte jemals der Seele die Wahl zwischen
Rechttun oder Sterben, und ich - hier nahm er seine Müze zwischen seine
gefalteten Hände, und beugte sein weißes Haupt - Dank sei es meinem gnädigen
Gott, ich entgieng acht und siebzig Jahre der furchtbaren Wahl. - Tief gerührt
drükte der wakere Jüngling des ehrwürdigen Greises Hände an seinen Mund, und
lenkte heiter in seinen stillen Lebensgang wieder ein.
    So lohnend das Gefühl erfüllter Pflichten für den alten Bertier war, so
mochte er Rogern doch nicht zu eben der dornenvollen Bahn anführen, die er
durchwandert hatte; er hatte ihm vielmehr immer das Landleben als die einzige
noch übrige
