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wichtigsten sind, über Unsterblichkeit, Gott und Ewigkeit, über Geister und den
Stoff und Endzweck der Welt, fühlt sich wie mit eisernen Banden von seinem Ziele
zurückgerissen, die menschliche Seele zittert scheu vor der schwarzen Tafel
zurück, auf der die ewigen Wahrheiten darüber geschrieben stehen. Wenn die
Vernunft alle ihre Kräfte aufbietet, so fühlt sie endlich, wie sie fürchterlich
auf einer schmalen Spitze schwankt und im Begriffe ist, in das Gebiet des
Wahnsinns zu stürzen. Um sich zu retten, wirft sich der erschrockene Mensch
wieder zur Erde - aber wenige haben den raschen frechen Schritt vorwärts getan,
mit einem lauten Klang zerspringen die Ketten hinter ihnen, sie stürzen
unaufhaltsam vorwärts, sie sind dem Blicke der Sterblichen entrückt. Das
Geisterreich tut sich ihnen auf, sie durchschauen die geheimen Gesetze der
Natur, ihr Sinn fasst das Ungedachte, in flammenden Ozeanen wühlt ihr nimmermüder
Geist - sie stehen jenseit der sterblichen Natur, sie sind im Menschengeschlechte
untergegangen - sie sind der Gottheit näher gerückt, sie vergessen der Rückkehr
zur Erde - und der verschlossene Sinn brandmarkt mit kühner Willkür ihre
Weisheit Wahnsinn, ihre Entzückung Raserei!«
    Balder sah mich hier mit einem verwegenen Blicke an. - Er fuhr fort:
    »Mein Freund Wildberg sah, trotz aller Täuschung, etwas, was wir nicht sahen
- können wir wissen, was jene erblicken? Die Geschichte ist wahr, aber wäre sie
auch nichts als ein guterfundenes Märchen, so würde sie mir doch sehr wert sein,
da sie für mich einen so tiefen Sinn enthält.«
    »Und wo steht denn«, fragte ich, »bei dir die Grenze zwischen Wahrheit und
Irrtum?« -
    »Lass das«: indem er abbrach; »ich bin heute wider meinen Willen ein
Schwätzer gewesen; da wir aber einmal davon sprachen, wollt ich dir diese
seltsame Idee nicht zurückhalten.«
    Wir gingen jetzt wieder zur Stadt zurück und Balder war wieder tief in sich
gekehrt.
    Ich habe Dir, mein Eduard, dies Gespräch, so gut ich konnte,
niedergeschrieben, Du kannst daraus die wunderbare Wendung kennenlernen, die der
Geist meines Freundes genommen hat. - Ich will jetzt schließen. Lebe wohl. -
    Und doch, lieber Freund, ergreif ich die Feder noch einmal, um Dir einen
Vorfall zu melden, der seltsam genug ist, so geringfügig er auch sein mag.
Vielleicht dass mich heut das oben niedergeschriebene Gespräch sonderbar gestimmt
hat, oder dass es eine Schwachheit ist, weil ich seit einigen Nächten fast nicht
geschlafen habe, genug, ich will Dir die Sache erzählen, wie sie ist, Du wirst
über Deinen Freund lächeln - aber, was ist es denn mehr? der Fall wird noch oft
vorkommen. - - Damit Du mich
