 Burton macht mir viele Unruhe. Er leugnet, dass die Summe für die beiden
Güter Orfield und Bosring jemals bezahlt sei, er produziert Schriften seines
Großvaters, die es zu beweisen scheinen: mein unglückliches Gedächtnis, die
Reise hieher und meine neuen Einrichtungen machen, dass ich jene Dokumente nicht
finden kann, die ihn des Gegenteils überführen würden; sein Advokat ist der
verschlagenste in London. - Ich hoffe aber, dass ich dennoch die Sache gut
durchführen werde, denn viele Umstände vereinigen sich gegen Burton.
    Um alle Bedenklichkeiten Mortimers zu heben, hab ich einen Brief an ihn
beigelegt. -
 
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                            Mortimer an Karl Wilmont
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Mein Onkel will durchaus sterben und ich soll durchaus nach England
zurückkommen. - Der arme alte Mann hat mich in einem Briefe sehr gerührt, er
wünscht mich noch zu sehen, er kann durchaus nicht eher ruhig sein. Itzt reut
mich der Leichtsinn sehr, mit welchem ich ihn oft behandelt habe, er ließ mich
aber auch nie von seiner Liebe gegen mich etwas merken, wenigstens nicht mehr,
als man von jedem, nur mittelmässigem Onkel mit Recht verlangen kann. - Ich grüße
also bald wieder meinen vaterländischen Boden, und dann, Karl, will ich ganz das
wilde, unstete Leben aufgeben, das ich bis jetzt geführt habe. Ich habe mir schon
einen sehr schönen Plan ersonnen, ich will mich in einer reizenden Gegend
anbauen, dort mir selber und meiner Phantasie leben, Du bleibst dann bei mir,
solange es Dir in meiner Gesellschaft gefällt; wir lesen, schwatzen, reiten,
jagen miteinander. - Die Einsamkeit hat sehr viel Reizendes, wenn man vorher die
Welt gesehen und genossen hat, man zieht sich dann einen engen Kreis um die
Existenz, den man immer ganz mit einem Blicke übersehn kann, man lernt alles
umher in seinen genauesten Verhältnissen kennen. - Um mich in dieser Lebensart
einzurichten, muss ich aber erst vorher ein Mädchen finden, das diesen Genuss mit
mir teilen will. Ob ich sie finden werde, ist die große Frage, denn bis jetzt hab
ich noch keine kennen lernen, bei der mir nicht jeder Gedanke an Verheiratung
einen Schrecken verursacht hätte.
    Suche es doch so zu veranstalten, dass ich Dich in London treffe, auch Deine
Eltern würden sich sehr freuen, Dich wiederzusehn. Wenn Dich also nicht Burtons
Schwester zurückhält, so eile nach London; bist Du aber verliebt, so will ich
Dich nicht einladen, denn das hieße einen Kirchenraub begehn.
    William Lovell lasse ich nun in der Gesellschaft Rosas und Balders
weiterreisen. Er ist weit munterer und menschlicher als ehedem, er fängt etwas
mehr an, aus den unnatürlichen Regionen der Phantasie herauszutreten und sich zu
den Menschen herabzulassen; ich hoffe ihn einst als einen recht
