 wollen, die für
Dich gar nicht gehören. - Nun wirst Du zurückkommen und Dich selbst darüber
wundern, dass es nicht so gegangen ist, wie Du es Dir vorgenommen hattest.
    Du hast Dich bis jetzt überhaupt für ein äußerst wunderbares und seltenes
Wesen gehalten, und bist doch nichts weniger; Du verachtest jetzt die Menschen
mit einer gewissen Grosssprecherei, die Dich sehr schlecht kleidet, weil Du nie
imstande sein wirst, sie zu kennen, und wenn Du sie auch kennst, sie zu
beurteilen und in das wahre Verhältnis gegen Dich selbst zu stellen. Du hast Dir
seit lange eine unbeschreibliche Mühe gegeben, Dich zu ändern, und Du bildest
Dir auch ein, gewaltsame Revolutionen in Deinem Innern erlitten zu haben, und
doch ist dies alles nur Einbildung. Du bist immer noch derselbe Mensch, der Du
warst; Du hast gar nicht die Fähigkeit, Dich zu verändern, sondern Du hast aus
Trägheit, Eitelkeit und Nachahmungssucht manches getan und gesagt, was Dir nicht
aus dem Herzen kam. Deine Philosophie war Eigensinn, alle Deine Gefühle nichts
weiter, als ein ewiger Kampf mit Dir selber. Du hättest ein recht ordentlicher,
gewöhnlicher, einfältiger Mensch werden können; auf einem Kupferstich in einer
Waldgegend, neben einer jungen Frau sitzend, würdest Du Dich ganz gut
ausgenommen haben, aber nun hast Du alles darangewandt, um ein
unzusammenhängender philosophischer Narr zu werden. - Ich bin neugierig, Dich zu
sehen, und so magst Du denn hereinkommen. - Wahrhaftig, ich kann aufhören, Dich
zu beschreiben, denn da stehst Du ja nun leibhaftig vor mir. -
    Zum Schluss
                         Einige Worte über mich selbst
Und wer bin ich denn? - Wer ist das Wesen, das hier so ernstaft die Feder hält,
und nicht müde werden kann, Worte niederzuschreiben? Bin ich denn ein so großer
Tor, dass ich alles für wahr halte, was ich gesagt habe? Ich kann es von mir
selbst nicht glauben. - Ich setze mich hin, Wahrheit zu predigen, und weiß am
Ende auch nicht, was ich tue. - Ich habe mich auch in manchen Stunden für etwas
recht Besonderes gehalten - und was bin ich denn wirklich? War es nicht sehr
närrisch, mich unaufhörlich mit abenteuerlichen Spielwerken zu beschäftigen,
indes ich in guter Ruhe hätte essen und trinken können? Ich freute mich sehr,
das Haupt einer geheimen, unsichtbaren Räuberbande zu sein, ein Gespenst zu
spielen, und andre Gespenster herbeizurufen, die ganze Welt zum Narren zu haben,
und jetzt fällt mir die Frage ein, ob ich mich bei dieser Bemühung nicht selber
zum größten Narren gemacht habe. - Ich bin vielleicht jetzt ernsthafter als je,
und doch möchte ich über mich selber lachen.
    Und dass ich mit
