 es unterlassen, ihn zu beobachten: selbst der
scharfsinnigste Kopf wird besorgt sein, dass jener schon alle seine Ideen habe,
und jede Widerlegung bei ihm in Bereitschaft stehe. Alle werden auf die Art die
Eigenschaften zu besitzen streben, die sie jenem zutrauen, und so werden sie am
Ende selbst die Fähigkeiten verlieren, eine vernünftige Beobachtung anzustellen.
- Den meisten Menschen tut es ordentlich wohl, wenn man ihnen imponiert, und sie
kommen selbst auf dem halben Wege entgegen. Es waren auch gar nicht die
scharfsinnigen Köpfe, die mir auf die Spur kamen, sie bemerkten die Blössen gar
nicht, die ich gab, als ich mich etwas zu sehr gehnliess, als mich Dein
einfältiges Benehmen in England aufbrachte und eine Krankheit mich verdrießlich
machte; sondern die Einfältigsten reichten mit ihrem kurzen Sinne gerade so
weit, um auf meine Schwäche zu treffen.
                              Hang zum Wunderbaren
Dieser war es vorzüglich, der die Menschen an mich fesselte, weil alle etwas
Außerordentliches von mir erwarteten. Die meisten Leute glauben über den
Aberglauben erhaben zu sein, und doch ist nichts leichter, als sie von neuem
darein zu verwickeln. Es liegt etwas Dunkles in jeder Brust, eine Ahndung, die
das Herz nach fremden unbekannten Regionen hinzieht. Diesen Instinkt darf man
nur benutzen, um den Menschen aus sich selbst und über diese Erde zu entrücken.
Ich fand, dass ich gar nicht nötig hatte, feine Sophistereien, oder seltsam
schwärmerische und doch vernünftig scheinende Ideen zu gebrauchen, die den
gesunderen Verstand nach und nach untergrüben: der Sprung, den diese Menschen
immer zu tun scheinen, ist wirklich nur scheinbar. Deswegen, weil nichts die
Unmöglichkeit der Wunder beweisen kann, glaubt jedes Herz in manchen Stunden
fest an diese Wunder.
    So ist dieses seltsame Gefühl eine Handhabe, bei der man bequem die Menschen
ergreifen kann. Ich habe dadurch mehr wirken können, als durch das klügste
Betragen. Es war mein Grundsatz, dass wenn man die Menschen betrügen wolle, man
ja nicht darauf ausgehn müsse, sie recht fein zu betrügen. Viel Feinheit würde
voraussetzen, dass die andern auch einen feinen Sinn haben, dann wäre sie
angewandt: aber eben darum verderben recht viele gute Plane, weil sie viel zu
sehr kalkuliert waren; die nahe, unbeholfene Einfalt tritt dazwischen und
zerreißt alle Fäden, die zum leisen Gefangennehmen dienen sollten. Wer recht
vorsichtig und vernünftig ist, dem wird auch bei der feinsten Machination der
Gedanke naheliegen, dass man wohl darauf ausgehn könne, ihn zu täuschen, und so
ist diese Feinheit in jedem Falle verlorne Mühe. Das Unwahrscheinliche und Grobe
glauben die Menschen eben darum am ersten, weil es unwahrscheinlich ist, sie
meinen, es müsse denn doch wohl irgend etwas Wahres dahinterstecken, weil sich
ja
