 einzelnes, anschauliches Bild dazustehn. - Dies sind die
Empfindungen eines jungen unentwickelten Menschen, der nach etwas greift, das er
selbst nicht kennt.
    Das hohe Ideal der Tugend und der Vortrefflichkeit des Menschen kam jetzt in
meine Seele zurück. Ich nahm mir vor, alle meine Gefühle in dieser Vorstellung
zu verbinden, ich sah jetzt meine unglückliche Liebe als ein Opfer an, das ich
der Tugend und der Notwendigkeit gebracht hatte. Ich fand in vielen Stunden
Trost in diesem Gedanken, und ich nahm mir von neuem vor, ein recht edler und
vollendeter Mensch zu werden, alle die gewöhnlichen Armseligkeiten wegzuwerfen
und mich ganz der hohen Vorstellung zu weihen, die mein Herz erweiterte. Dieser
Vorsatz ist es eigentlich nur, der den Menschen so oft über diese Welt
hinüberhebt, denn in der langsamen und weitschweifigen Ausübung geht bald aller
Enthusiasmus verloren. Mir ging es aber bei weitem übler. Die Menschen witterten
etwas von meinen Ideen, die sie Schwärmerei nannten; um mich zu bessern,
verfolgten sie mich mit falschem Witze auf die gemeinste Weise. Alles, was ich
tat und sagte, war ihnen nicht recht und zu jugendlich; sie ließ mir nicht die
Zeit, selbst Erfahrungen zu machen, um meine Torheiten einzusehn, sondern ich
sollte in einem Treibhause klüger werden.
    Es ist gewiss leicht, ein großer Mensch zu werden und zu bleiben, wenn sich
uns sogleich große Unglückfälle in den Weg werfen, die die Bahn zu versperren
drohen. Dann nimmt der Mann alle seine Kräfte zusammen, um keinen Schritt
zurückzutun. Gefängnis und Ketten, Todesgefahr und allgemeiner Hass sind nur
Mittel, die seine Seele stärken und verhärten, er lebt in einem ewigen Kampfe
gegen die wilden Massen, die ihn umgeben, und dieser Kampf erhält ihn munter und
lebendig. Eigensinn wird endlich seine Haupttugend werden, an dem sich seine
übrigen Tugenden nur lehnen, er wird sich selbst verachten, wenn er fühlt, dass
er innerlich nachzugeben im Begriff ist, und auf die Art wird die Spannung
seiner Seele niemals nachlassen. Das Bild eines solchen Mannes ist groß, wenn
man will, aber noch größer wäre der, der seinen Vorsatz durchführt, wenn er
gleich nicht bemerkt wird, dem nichts Großes entgegengeht, sondern der in einer
schalen Unbedeutenheit lebt und von allen verachtet wird; vor dem der eine Tag
so wie der andere vorüberzieht, und um den sich die Zeit und das Unglück gar
nicht zu kümmern scheint. Ein solcher Mensch wird seinen Wert bald aufgeben,
alles wird ihm nur ein Hirngespinst scheinen, und er wird entweder zu den ganz
gewöhnlichen Menschen hinabsinken, oder sich an diesen zu rächen suchen.
    Wie oft ward mein guter Wille verkannt und das Beste in mir verhöhnt: wem
ich mit meiner Freundschaft entgegenging,
