 mich über die ganze Welt hinaus,
ich vergaß alle Dürftigkeiten des Lebens und war nur in reinen Strahlen
einheimisch.
    Fast jeden Menschen beherrscht in der Zeit, wenn er vom Kinde zum Jünglinge
übergeht, ein hoher Enthusiasmus; der ist glücklich, der sehr schnell den Zirkel
aller täuschenden Empfindungen durchläuft, um endlich, wenn er die Runde gemacht
hat, sich selber anzutreffen. Die hohe Reizbarkeit dient dazu, uns in tausend
Torheiten zu verwickeln, aber auch, uns über diese Torheiten zu belehren; je
feinere Sinnlichkeit ein Mensch besitzt, um so eher ist es ihm möglich, recht
früh klug zu werden.
    Ich möchte den jugendlichen Enthusiasmus, so wie manches andre im Menschen,
nichts als eine Anlage nennen, die sich zur Geschicklichkeit ausbilden lässt. Es
ist eine Kunst, die man sich durch Übung erwirbt, keine von den Armseligkeiten
zu erblicken, die uns in der späteren Zeit oft zurück und auf der Erde
festhalten, wenn uns eben ein fliegender Taumel ergreifen will; wir stellen in
der Jugend alles in einen dunkeln Hintergrund, was vor uns hin die schöne
Aussicht verdecken könnte. Man nimmt sich nur vor, ein großer Mensch zu werden,
solange man die Menschen und sich selber nicht kennt: es ist ein Spiel, das uns
erhaben vorkömmt, weil wir uns so lange zwingen, bis wir es so finden. Dem
kälteren Menschen erscheint der Enthusiasmus gerade so, wie derjenige, der kein
Spiel versteht, denen zusieht, die sich mit vieler Aufmerksamkeit mit einem
scharfsinnigen Kartenspiele beschäftigen.
    Der Entusiast meint, die ganze Welt sei nur darum da, um seine Entwürfe
darin auszuführen, die Welt sei nur darum so sonderbar aus Übeln und
Vortrefflichkeiten zusammengesetzt, damit er durch die Überwindung der
Schwierigkeiten ein desto größeres Verdienst erringe. Er würde nicht mehr gut
sein wollen, wenn es leicht wäre, gut zu sein, und wenn es alle Menschen mit ihm
zugleich wären.
                                     Liebe
Bei den meisten Menschen ist der Enthusiasmus für das Große und die Tugend nur
eine Vorbereitung zur Liebe, es ist derselbe Trieb, der sich in die
Allgemeinheit verliert und Ideen sucht, weil er keinen Gegenstand vor sich hat:
die Liebe verarbeitet die Menschen eine Zeitlang und führt sie nachher zur
Sinnlichkeit, einem Wege, auf dem sie verständiger, aber auch weit größere Toren
als vorher werden können. Es ist der Kreuzweg, auf dem die meisten sich in
verwickelten Irrgängen verlieren und umzukehren glauben, wenn sie immer tiefer
in die Wildnis hineinrennen.
    Mein Vater starb, als ich sechszehn Jahr alt war, ein tauber Schmerz
erdrückte und verfinsterte meinen Geist, ich glaubte alles verloren zu haben;
ein Irrtum, den jeder Mensch beim ersten Verluste begeht, weil er noch nicht in
den Wechsel des Lebens eingelernt ist
