 mir eine Tochter geboren, die wir Amalie genannt haben. Das
Leben tut sich bei mir immer enger zusammen, ich habe alle Reisen und alle meine
jugendlichen Plane aufgegeben, jedem glänzenden Glücke entsagt, aber eben
dadurch eröffnet sich mir eine immer hellere Ebene, die Aussicht der Zukunft
wird lichter und erfreulicher. Unglück und Schmerz sind wie ein heftiger Regen,
der zwar die Pflanzen niederschlägt, sie aber nachher nur desto frischer wieder
aufrichtet: so ist es auch vielleicht mit mir und mit meinen Empfindungen
gewesen. Lovells Schicksal wird mir immer wie ein Gewicht in meiner Seele liegen
und so die Spannung derselben erhalten. Ich habe von ihm viel gelernt, ich habe
gesehen, wie leicht bloßer Eigensinn und die Sucht, etwas Besonderes zu sein, den
Menschen viel weiter locken können, als er anfangs gedacht hat, ich bin dadurch
gegen die Unglücklichen toleranter geworden, die wir oft zu schnell und zu
strenge Bösewichter nennen, da wir ihnen nur den Namen der Toren beilegen
sollten.
    Wir müssen irgendein Mittel ausfinden, lieber Mortimer, um uns öfter zu
sehen; wie wär es, wenn Sie das nahgelegene Waterhall von mir zu einem billigen
Preise kauften und Ihr Roger Place einem andern überließen? Dann wären wir ganz
nahe Nachbarn, dann könnte ich Sie recht genießen. Je mehr ich darüber
nachdenke, je fester wird der Gedanke bei mir, so dass es mir sehr wehe tun
würde, wenn er Ihnen missfiele. Ich habe das Gut in einen bessern Stand setzen
lassen, der Garten, der sonst ganz verwildert war, ist wieder eingerichtet, die
Gegend um Waterhall ist bei weitem schöner und interessanter, als die um Roger
Place: kurz, Sie sehen wohl ein, ich möchte Sie gerne überreden. Antworten Sie,
lieber Freund, was Sie über meinen Vorschlag denken.
 
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                           Mortimer an Eduard Burton
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Ich wünsche Ihnen Glück und zwar recht von Herzen. Wir können jetzt ein recht
schönes Parallelleben führen, und so langsam und unvermerkt in das Alter
hineinkriechen. Es gibt eine Periode im Leben, in der der Mensch plötzlich alt
und reif wird; bei manchen Menschen bleibt diese Periode freilich ganz aus, sie
bleiben immer nur Subalternen in der großen Armee, ihnen ist es nie vergönnt,
den Plan und die Absicht des Ganzen zu übersehn, sondern sie müssen sich unter
elenden Mutmaßungen und lächerlichen Hypotesen abquälen; sie werden immer
fortgetrieben, ohne dass sie wissen, wohin sie kommen: ich glaube, dass wir beide
uns freier umsehn können und jetzt in den Zufällen selbst das Notwendige
entdecken, die Rechenschaft von ihnen zu fordern verstehen, warum sie so und
nicht anders eintreten. Insofern die Kunst, glücklich zu sein, die Kunst ist, zu
leben, insofern besitzen wir diese
