 die
unerlaubteste aller Verschwendungen, die schlimmste aller Verderbteiten.
Freilich wohl ist nun alles was ich erlebt und erfahren habe, ein Negatives; und
wenn ich mich manchmal vor den Spiegel stelle und zu mir sage: da siehst du nun
den vortrefflichen Herrn Mortimer, der so viele Länder gesehen und Menschen
gekannt, der so manches Kluge gedacht und gelernt hat - so muss ich über mein
Bild im Spiegel und über mich selber lachen. Ich erinnere mich dann der
unzählichen Entwürfe und Vorsätze, der so schön berechneten Plane für mein
Leben, der mannigfachen Bemerkungen, die ich über den Menschen in meiner Seele
niedergeschrieben und wieder ausgestrichen habe. Unser Leben ist nichts, als ein
ewiger Kampf der neuen Eindrücke mit der eigentümlichen Bildung unsers Geistes:
wir glauben oft, dass unser Charakter auf immer eine neue Wendung nimmt, und
plötzlich sind wir dann wieder ebenso, wie wir ehedem waren. Ich habe mich über
alle Heiraten lustig gemacht, bis ich selbst heiratete; nun glaubte ich, gäbe es
nichts Ernstafteres in der Welt, und jetzt wäre es mir doch wieder möglich, in
die unschuldigen Scherze mit einzustimmen. Es gibt eine Urverfassung in uns
selbst, die nichts zerstören kann, sie wird plötzlich wieder dasein, ohne dass
wir es selbst begreifen können, wie wir uns so schnell in einen alten fast
vergessenen Menschen wieder haben umändern können. Dass wir aber mit einem
gewissen neuen und bessern Verstande zu dieser alten Verfassung zurückkehren,
glaube ich selbst, denn sonst müsste man bei diesem zirkelmässigen Leben in
Verzweiflung fallen; aber so liegt in diesem Wiederkehren ein großer Trost, der,
dass wir uns innerlich nie aus den Augen verlieren können, soviel wir uns auch
manchmal äußerlich bemühen, es zu tun.
 
                                       14
                             William Lovell an Rosa
                                                                            Rom.
So ist es denn nun aus? völlig aus? - Ich weiß mich noch immer nicht zu fassen.
Ich möchte laut schreien und klagen, ich möchte es in die ganze weite Natur
hineinheulen, wie elend ich bin. - O wie unbeschreiblich nüchtern und armselig
endigt sich alles, was mich einst in so hohe Begeisterung setzte, was mir eine
so selige Zukunft aufschloss. - O eine wilde, blinde Wut ergreift mich, wenn ich
daran denke, wenn ich mir alles und jeden Umstand von neuem in die Seele
zurückrufe: eine Raserei erschöpft nicht alles, was ich fühle, es gibt keine
Äußerung dafür, die menschliche Natur könnte sie nicht aushalten, so wie ich
meinen Schmerz und Verlust darstellen müsste.
    Und warum das? werden Sie fragen. - Ach, Rosa, bei Ihnen ist es bloße
Neugier, die so fragt. - Sie sind ein glücklicher Mensch. Ich kann mein Unglück
an den Gefühlen keines andern Wesens ermessen. - So
