 ich, wie mir Sinne und Bewusstsein vergingen, ich musste
mich ganz sammeln, um imstande zu sein, nach Hilfe zu rufen.
    Mehrere Menschen mit großen Ruten und Knütteln traten herein. Balder ließ
von mir ab. Man schleppte ihn nach dem Winkel des Zimmers und schloss ihn an den
Block. Er ließ alles ruhig geschehen und lächelte nur dazu; als er sich aber
festgeschlossen fühlte, brach seine Wut von neuem aus, er schleuderte sich wie
ein wildes Tier in den Ketten hin und wider, alle seine Sehnen waren angespannt,
sein Gesicht glühte, seine Augen waren keine menschlichen. Er stemmte sich mit
den Ketten, um sich vom Blocke loszureißen, so dass die Ringe laut erklangen:
seine Wärter schlugen jetzt ohne Erbarmen auf ihn zu, aber er schien keine
Empfindung zu haben. Unter der Anstrengung aller Kräfte schien er größer zu
werden, sein Gesicht war rund und glühend wie der Vollmond: ich konnte den
Anblick nicht länger aushalten, ich verließ schnell das Zimmer. Noch unten, noch
auf der Straße hört ich ihn schreien; Tränen kamen in meine Augen.
    So hab ich ihn wiedergefunden; doch beruhigen Sie sich, Rosa, er ist schon
nach zweien Tagen in dieser Raserei gestorben. Alles, was er mir erzählt hatte,
ist wahr, gleich nach dem Tode seiner Frau ist er wieder rasend geworden, in
Zwischenzeiten kalt und vernünftig gewesen. Die Verwandten seiner Frau haben für
seinen Unterhalt gesorgt.
    Scheint diesem Unglücklichen der Wahnsinn nicht von der Geburt an schon
mitgegeben zu sein? Zuerst ging er langsam alle Grade desselben durch, bis er
durch eine neue Liebe schneller und rascher zum letzten Extreme hingetrieben
ward. - In einigen Tagen sehen Sie mich in Rom. -
 
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                              Adriano an Francesco
                                                                        Florenz.
Je länger ich über Andrea nachdenke, je seltsamer, ich möchte sagen, je alberner
kommt er mir vor. Es fügen sich in meinem Gedächtnisse erst jetzt so manche Züge
zusammen, die mir bedeutender als damals erscheinen. Ich kann es nicht
unterlassen, die Menschen jetzt zu verachten, die sich so ernstaft in die Mitte
der Welt hinstellen; jeder simple Bauer, der auf dem Felde arbeitet und nachher
ein Weib nimmt, ist mir bei weitem ehrwürdiger. Muss denn alles am Menschen
schwülstig und aufgedunsen sein? Will keiner den Weg zu jener Simplizität gehen,
die den Menschen zum wahren Menschen macht, und zwar aus keiner andern Ursache,
als weil uns dieser Weg zu sehr vor den Füßen liegt? Es ist sehr schlimm, dass
der feinere Verstand gewöhnlich nur dazu dient, die Einfalt zu verachten, statt
dass wir lieber den Versuch machen sollten, ob wir nicht auf einem bessern Wege
zu denselben Resultaten kommen könnten. Es ist ein ewiger Streit im ganzen
