 Sturm ist an ihrem Herzen vorübergefahren, und
voll Vertrauen setzen sie sich nieder und maßen sich an, die Herzen der Menschen
zu richten und ihre Gefühle darzustellen. Wie jämmerlich würde ich mich in einem
solchen Buche ausnehmen! Wie würde der Verfasser unaufhörlich meine guten
Anlagen bedauern und über die Verderbteit meiner Natur jammern, und gar nicht
ahnden, dass alles ein und eben dasselbe ist, dass ich von je so war, wie ich bin,
dass von je alles berechnet war, dass ich so sein musste.
    Jetzt will und kann ich zu Ihnen zurückkehren; ich bin schon auf dem Wege.
Ich habe alles vergessen, Rosa, und Sie dürfen mir ohne Scheu oder Zurückhaltung
näherkommen; ich hoffe, auch Sie haben alles das von mir vergessen, was mich in
Ihrer Gesellschaft in Verlegenheit setzen könnte: für vernünftige Menschen muss
nie eine Verlegenheit entstehen können, denn das Höchste, was sie tun können,
ist, dass sie gestehen, dass sie irgendeinmal Narren waren, und das versteht sich
ja immer von selbst, und sie sind von neuem Narren, indem sie es gestehen, Also
können wir beide darüber ganz ruhig sein. - Grüssen Sie vor allen Dingen Andrea;
er wird doch nicht krank sein, da Sie ihn damals so lange nicht gesehen hatten? -
Leben Sie wohl, bald seh ich Sie wieder. -
 
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                          Ralph Blackstone an Mortimer
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Wie befinden Sie sich, lieber Freund, wenn ich Sie so nennen darf? - Doch, warum
sollte ich es nicht dürfen? Sie sind ja mein bester und mein aufrichtiger
Freund; ohne Ihre Hilfe wäre ich ja damals schon mit meiner Tochter Todes
verblichen. Ach, ich glaubte damals nicht, unter den Menschen noch Hilfe und
Erbarmen anzutreffen, und da kamen Sie gerade und fanden mich durch einen
glücklichen Zufall. Was wäre aus mir geworden, wenn Sie mich nicht angetroffen
hätten? Ich kann es immer noch nicht vergessen. Manche Menschen wissen gar
nicht, was Elend heißt, sie können sich daher die große menschliche Not, aber
auch die menschliche Dankbarkeit nicht vorstellen, und es ist ihnen nicht zu
verargen, wenn sie glauben, es gäbe gar keine dankbare Menschen. Es gibt auch
viele undankbare Leute in der Welt, aber ich denke, dass ich nicht zu diesen
gehöre; nachher gibt es solche, die, wenn sie aus der Armut in einen gewissen
Wohlstand versetzt sind, sich nachher ihrer ehemaligen Armut schämen, und
wünschen, dass alle Menschen die Wohltaten und Unterstützungen vergessen möchten,
die sie ihnen in schlimmern Zeiten erwiesen haben, ja sie suchen sie sogar
selbst zu vergessen, und daraus entsteht wieder eine andre Art von
Undankbarkeit, die aus einer falschen Scham herrührt; man kann nicht sagen,
