 Sie
heute vor abends zu mir.
 
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                             William Lovell an Rosa
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Ich weiß nicht, warum ich immer noch hier bin. Ich sollte endlich zurückkehren.
Es ist unbegreifliche Trägheit von mir, dass ich noch nicht in Rom bin. Wie kann
man so ganz von aller Kraft, von aller innern Stärke verlassen sein!
    Mein Glück im Spiele hat aufgehört und doch bin ich an den Tisch wie
festgezaubert. Wenn ich Karten sehe, läuft mein Blut lebendiger, und ich träume
nur von glücklichen oder unglücklichen Spielen. Ich verstehe jetzt, was man
unter der Leidenschaft des Spiels sagen will. Ich habe schon ansehnlich
verloren, das Geld, was ich aus England mitbrachte und einen großen Teil von
Burtons Wechseln: ich ärgre mich darüber nicht, aber über die platte Freude der
jämmerlichen Menschen, die von mir gewinnen. Sie halten das blinde Glück für
einen Vorzug, der ihnen eigentümlich ist, sie verachten mich, indem ich
verliere. Ich lerne jetzt zuerst den Wert des Geldes empfinden, und kann doch
nicht zurück, wenn ich die verdammten Bilder sehe. - Raten Sie mir, was ich tun
soll. Und weiß ich nicht alles im voraus, was Sie sagen werden? Oh, es ist um
toll zu werden, dass man so närrisch ist!
    Der Begriff von Zeit ist mir jetzt fürchterlich. Wenn ich einen Tag vor mir
habe, ohne zu wissen, was ich mit ihm anfangen soll - oh, und dann den Blick
über die leere Wüste von langweiligen Wochen hinaus! Und wieder eine Stunde nach
der andern von der Zeit zu betteln, sich vor dem Gedanken des Todes zu
entsetzen! Wie elend ist der Mensch, dass er sterben muss, und wie höchst
unglückselig müsste er sein, wenn er ewig lebte! Wie toll und unsinnig ist unser
Leben durch diese unaufhörlichen Widersprüche!
    Wie verächtlich ist alles um mich her, durch unsre Sinnlichkeit, die uns
unerbittlich an Nichtswürdigkeiten fesselt. Alles, was Freude, Schönheit, Genuss
und Witz heißt, bezieht sich unmittelbar auf die gröbste Sinnlichkeit; das
Menschengeschlecht ermüdet nicht bei denselben frostigen Spässen, die Phantasie
bekommt keinen Ekel vor sich selber. Oh, mir zittert oft das Herz, wenn ich die
Menschen um mich her lachen sehe, wenn ich junge Leute betrachte, die sich in
ihrer Verächtlichkeit so glücklich fühlen. Kein Gedanke hebt dies Geschlecht
über seine jämmerliche Eingeschränkteit hinaus. Ach, wenn ich dann aus ihrer
Gesellschaft unter den freien Himmel trete, und die ewige Schar der unendlichen
Welten über meinem Haupte funkeln, wenn ich mich mit Schwindeln in die Millionen
dieser Erden verliere und andre und noch höhere ahnde, wenn ich den Mond
betrachte und Städte, Berge und Wälder auf seiner Scheibe entdecken möchte - und
