 besteht darin, dass wir ganze Massen von Gedanken und Bildern als
einen Begriff hinstellen, wir nehmen die Phantasie zu Hilfe, um der fremden
Seele zu erläutern, was uns selbst nur halb deutlich ist; und auf diese Art
entstehn Gemälde, die dem kälteren Geiste, der nicht gespannt ist, Missgeburten
scheinen. Es ist ein Fluch, der auf der Sprache des Menschen liegt, dass keiner
den andern verstehen kann, und dies ist die Quelle alles Haders und aller
Verfolgung: die Sprache ist ein tödliches Werkzeug, das uns wie unvorsichtigen
Kindern gegeben ist, um einer den andern zu verletzen. - Ach, habe ich nicht
dadurch Lovell und Emilien verloren?
    Ich sehe Ralph und seine Tochter täglich. Sie ist in ihrer Unschuld
verehrungswürdig, und diese Menschen söhnen mich nach und nach mit der Welt und
ihren Bewohnern wieder aus. - Ich wünsche Sie bald als einen glücklichen Vater
begrüßen zu können. Es ist doch recht erfreulich, wenn jeder die kleine Stelle,
auf der er steht, für die vornehmste auf der Erde hält.
 
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                           Mortimer an Eduard Burton
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Es ist endlich entschieden, lieber Freund, Amalie ist außer Gefahr, und ich bin
der Vater eines jungen hoffnungsvollen Sohnes. Man kann nicht in die Zukunft
sehen, sonst würde ich mich vielleicht noch mehr freuen, als es geschieht; Amalie
ist sehr glücklich.
    Ob denn auch bei mir jene Eitelkeit eintreten wird, die mir an andern Vätern
oft so sehr missfallen hat? Man kann freilich für nichts stehen, am wenigsten für
irgendeine menschliche Schwäche, allein ich glaube es doch nicht. Ich habe schon
sehr genau auf mich achtgegeben, aber ich muss Ihnen gestehen, dass mir das
Schreien meines Kindes ebenso unharmonisch vorkömmt, als das aller übrigen; dass
ich es nicht schön finde, so wie es bis jetzt ist, dass ich auch noch keinen
Funken von Verstand oder Genie an ihm entdeckt habe; ich habe Väter gekannt, die
darin unendlich scharfsichtiger waren, die es übelnahmen, wenn sich jemand beim
Gekreisch ihres Sohnes die Ohren zuhielt, oder meinte, dass er die Fragen, die
man an ihn tat, wohl noch nicht verstehen möchte.
    Ich bin nicht so lustig, als es neue Väter gewöhnlich zu sein pflegen; der
Anblick des Kindes macht mich sehr ernstaft. Kann ich wissen, von welchen
Zufälligkeiten, die schon jetzt eintreten und die ich nicht einmal bemerke, sein
künftiges Schicksal abhängt? Die ganze unendliche Schar der Gefühle und
Erfahrungen wartet auf ihn, um ihn nach und nach in Empfang zu nehmen. Glück und
Unglück wechselt, er wird in alle Torheiten eingeweiht und glaubt sich in jeder
verständig. So treibt er den Strom des Lebens hinunter, um endlich wieder, wie
wir
