 der Seele zu suchen. Er verachtet die übrigen
Menschen so wie sich selbst, ihm ist daher nichts in seinem Innern ehrwürdig, er
spielt mit den Menschen nur so wie mit seinen Gedanken, er ist nichts als ein
gefährlicher philosophischer Scharlatan, bei dem ein witziger Einfall und ein
scharfsinniger und großer Gedanke einerlei ist, der sich selbst bis auf den
Grund zu kennen glaubt, indem er nur seine Fähigkeiten und Anlagen bemerkt hat.
Er ist, wenn ich mich so ausdrücken darf, die Skizze zu einer kolossalischen
Figur, aber die Vollendung, die Verteilung des Lichtes und Schattens fehlt ihm
gänzlich.
    Ich glaube, dass Sie mich kennen und dass Sie es mir zutrauen, wie gern ich
mich unter den größeren Fähigkeiten einer höheren Seele beuge; ich werde mich nie
darüber wundern, wenn ein Freund eine Gefälligkeit von mir und Nachsicht gegen
seine Meinungen verlangt, denn es werden sich Gelegenheiten finden, wo ich von
ihm dasselbe fordre; - aber welcher Freund wird den andern tyrannisieren wollen,
wie es Andrea unaufhörlich tat? Hielt er uns nicht alle wie ein Heer von
Dienern, die auf alles schwören mussten, was er sagte, die bestimmt waren, ihm in
den wunderlichsten und seltsamsten Grillen nachzugeben? Ja, ist es Ihnen nie
eingefallen, dass er uns nicht vielleicht zu noch schlimmeren Absichten
gemissbraucht hat? - O gewiss, nur waren Sie zu gutmütig, den Argwohn in sich
deutlich werden zu lassen und meine Zurückhaltung veranlasste die Ihrige.
    Wozu waren jene seltsamen nächtlichen Versammlungen, in denen er uns in eine
gewaltsame Spannung zu versetzen suchte? Ich war Tor genug, einigemal dort mit
Heftigkeit zu deklamieren, um von einer Schar von Dummköpfen bewundert zu
werden, die bei Andrea in der verächtlichsten Knechtschaft stehen. - Aus welchen
Ursachen kettete Andrea den jungen Lovell so fest an sich? Wozu jene Gaukeleien
und Erscheinungen, von denen Sie doch so wenig wie ich werden hintergangen sein,
und die den jungen Engländer fast wahnsinnig machten? Ich stand seitwärts und
zum ersten Male schlich ein verachtender Widerwille gegen Andrea in mein Herz. -
Wozu Lovells geheimnisvolle Abreise? - Was will er mit diesem jungen Menschen,
und warum muss er uns als mittelbare Maschinen brauchen, seine Plane, seien sie
auch welche sie wollen, durchzusetzen?
    Alle diese Gedanken fielen mir schon seit lange ein, aber ich traute mir
selber nicht. Ich hatte Andrea sonst so sehr verehrt, dass ich es für
wahrscheinlicher hielt, dass ich seine Größe nicht begreifen könne, als dass er
nicht ganz groß sein sollte: aber seit ich hier in einem ruhigern Leben und
unter einfachern und einfältigern Menschen bin, kommt mir alles von Rom aus so
seltsam wie ein Traum vor. Andrea erscheint mir in einem andern Lichte und
alles
