 es nichts Widrigers als das Aufdringen der Menschen, um mir ihre
Freundschaft, ihre Liebe zu schenken; es sind Narren, die nicht wissen, was sie
mit sich selber machen sollen, und daher andere Narren nötig haben, um mit ihnen
aus Langeweile zu sympatisieren. Wie verächtlich ist die kindische
Empfindsamkeit einer Emilie, die gleichsam seit Jahren darauf gewartet hat, um
ihre tragische Aufopferung an den Mann zu bringen. Sollte ich nun ein so großer
Tor sein, und ihre teatralische Affektation für Ernst nehmen, und mich wunder!
wie sehr gerührt fühlen? - Man kann wirklich etwas Besseres tun, als jede
Narrheit der Menschen mitmachen, und der ist der verächtlichste Tor, der diese
Narrheiten abgeschmackt findet, und sich dennoch scheut sie als Kindereien zu
behandeln. Sie weint jetzt vielleicht, und bald trocknet sie aus Langeweile ihre
Tränen, dann ist sie böse auf mich, dann schämt sie sich vor sich selber, und
dann hat sie mich vergessen.
    Dass sie sich selbst auf einige Zeit ihr häusliches Glück zerstört hat, ist
ihre eigene Schuld; dass sie sich nach dem Übereinkommen jetzt vor manchen
Menschen schämen muss, kann mir zu keinem Vorwurfe gereichen. Ich übte eine Rolle
an ihr, und sie kam mir mit einer andern entgegen, wir spielten mit vielem
Ernste die Komposition eines schlechten Dichters, und jetzt tut es uns wieder
leid, dass wir die Zeit so verdorben haben.
    Ich bin indessen durch Kensea gereist, den Ort, wo ich jetzt eigentlich
wohnen sollte. - Ein altes gotisches Gebäude steht hier in einer wüsten waldigen
Gegend, der Garten ist verwildert, alle Bedienten sehen aus wie Barbaren, das
ganze Haus hat ein kaltes unbequemes Ansehen, viele Fenster sind zerschlagen,
die eine Mauer hat Risse. - Oh! mit welchem Widerwillen habe ich alles
betrachtet! - Hier sollt ich leben, in einer dunkeln, langweiligen drückenden
Einsamkeit? - Von der ganzen Welt abgerissen, wie ein vertriebener Bettler?
einer scheuen Eule gleich, die vor dem lästigen Tageslichte endlich einen
düstern Schlupfwinkel findet? - Nein, die ganze weite Welt steht mir freundlich
offen, und ich kehre dem einsiedlerischen Schloss verächtlich den Rücken. So
wie ich hier leben würde, kann ich es allenthalben; und in einem fremden Lande,
unter einem andern Klima würde mich selbst Sklaverei so hart nicht drücken, als
das Leben hier.
    Ich bin hier in London unter dem bunten Gewühle; ich spiele und mache
ansehnliche Gewinste. Dies rasche und doch ungewisse Leben, in dem die
Leidenschaften unaufhörlich in Bewegung gesetzt sind, hat einen großen Reiz für
mich. Und welche lehrreiche Schule, um hier die Menschen erst völlig verachten
zu lernen! - Wie der niedrigste Eigennutz, die kleinsten Begierden sich in den
Gesichtern
