, und wer hat dies nicht
schon in sich selber empfunden? Ich mag keinen verdammen und keinen vergöttern,
es ist alles ein Gefolge, in dieselben Gewänder eingehüllt, mir alle gleich
unkenntlich und gleich gut, ein Trauerzug, der auf Bergeswegen dahin geht, und
hinter einem dunkeln Walde verschwindet.
    Damit die verächtlichen Maschinen sich brüsten können, haben sie Namen und
Unterschiede wie bunte, klägliche Ordenszeichen erfunden; nur der Pöbel hat die
tiefe Achtung vor diesen.
    Was bleibt uns übrig, William, wenn wir alle leere Namen verbannen wollen? -
Freilich nichts zu philosophieren und mit Enthusiasmus für die Tugend und gegen
das Laster zu reden, kein Stolz, kein Gepränge mit Redensarten, aber immer noch
eben so viel Raum, um zu leben.
    Die Empfindung geht daher einen kürzern und richtigern Weg, als der
grübelnde Verstand; denn das Gefühl ist der Haushofmeister unserer Maschine, der
erste Oberaufseher, der dem alten pedantischen Verstande alles überliefert, der
es weitläuftig und auf seine ihm eigene Art bearbeitet. Gefühl und Verstand sind
zwei nebeneinanderlaufende Seiltänzer, die sich ewig ihre Kunststücke nachahmen,
einer verachtet den andern und will ihn übertreffen.
    Wenn wir nicht bloße Maschinen sind, so reißt sich die Seele einst gewiss von
allem los, was sie so lästig gefangenhält, sie wird nicht schließen und
unterscheiden, nicht ahnden und glauben, sondern im raschen, reißenden Fluge
nach ihrem ungekannten Vaterlande eilen, wo sie wirken und ungefesselt dauern
kann.
    Wenigen wundervollen Menschen war es vielleicht gegönnt, sich schon hier,
von den Gauklern, ihren Sinnen, noch umgeben, kennenzulernen, und in ihre
innerste, verborgenste Tiefe zu schauen. Aber die Natur widerstrebt mit allen
ihren Kräften, sie sind seltsame Wunderdinge, die sich vor sich selber
entsetzen; die Fugen sind gerissen, der Geist sieht unmittelbar, ohne Sinne und
ohne das Mittelglas des Verstandes, in das Dasein und die Gegenstände hinein,
und der Körper schaudert unter heftigen Zuckungen.
 
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                            Balder an William Lovell
Heut scheint die Sonne freundlich und ich denke an Deinen Namen, denn er ist wie
blauer Himmel. Da war mir, als hört ich Deinen Gang hinter mir in den Gebüschen
und ich sah mich um. Aber der Wind kletterte nur in den Bäumen umher, und
pflückte einige reife Blätter, die er der Erde, seiner Mutter, zum Verzehren
hinlegte. Nun hab ich noch in meiner Schreibtafel ein Blatt Papier und ich will
es nehmen, und jetzt mit Dir sprechen: vielleicht findet sich einst ein Mann,
der es zu Dir hinüberträgt.
Wechselnd gehen des Baches Wogen
Und er fliesset immerzu,
Ohne Rast und ohne Ruh,
Fühlt er sich hinabgezogen,
Seinem dunkeln Abgrund zu.
Also auch des Menschen Leben,
Liebe, Tanz und Saft der
