, die Vorhänge rauschten
geheimnisvoll, das Blut in meinen Adern wollte aufsieden und erstarrte.
    Töne schlugen das Ohr mit seltsamer Bedeutung, wie Arabeskengebilde fuhr es
durch meinen Sinn; ich erwartete etwas Fremdgestaltetes und lechzte nach etwas
Ungeheuerm. Und ich vergaß hinter mir zu sehen und stand unter meinen Freunden
einsam, wie in einem Walde von verdorrten Bäumen.
    Schatten fielen von oben herunter und sanken in den Boden. Dämpfe standen
wie Säulen im Gemache, Dämmerung wankte hin und wider wie ein Vorhang. Die Seele
vergaß sich selbst und ward ein Bild von dem, was sie umgab.
    Es kreiste und wogte gewaltig durcheinander; wie ein Unding, das zum
Entstehen reif wird, so kämpfte die Masse gegen sich selbst. - Es schritt näher
und glich einer Nebelgestalt; vor mir vorüber wie ein pfeifender Wind - und oh -
Rosaline!
    Sie war es, ganz, wie sie lebte. Sie warf einen Blick auf mich und wie ein
Messer traf er meine Augen, wie ein Berg mein Herz. Ich sträubte mich gegen
meine innerliche Empfindung und es zog mich ihr nach; - ich stürzte laut
schreiend nach ihrem Gewande und stieß mit dem Kopfe an die Mauer.
    Ich erschrak nicht, verwunderte mich nicht und erwachte auch nicht. Wie
andre Elemente umgab mich alles, ich sah die Freunde wieder, ich hörte wieder
die Bäume und Wasser, die ganze Mühle der gewöhnlichen Welt, mit allen ihren
Gängen.
    Andrea und die übrigen waren stumm und kalt, aber sie standen fern, fern von
mir hinunter, ich kannte sie alle und verstand sie nicht, ich kam zurück und war
nicht unter ihnen.
    Man öffnete die Fenster; die Morgenluft brach herein, der Himmel war wie
eine Platte buntgestreifter Marmor, die Wände der Welt waren wie immer mit ihren
seltsamen Gewächsen ausgelegt, und wie ein wildes Tier, so fiel eine nüchterne
Empfindung mein Herz an.
    Wo steht die letzte Empfindung, dass ich zu ihr gehe? Wo wandeln die
seltsamsten Gefühle, dass ich mich unter sie mische? Dass ich von diesem Traume
erwache und einen andern noch fester träume!
    Wolken fliehn und kommen wieder, das seltsamste Morgenrot wird Tagesschein.
- So wird es mit diesem Herzen gehen. - Leider, dass ich das schon jetzt empfinde!
 
                                       12
                             William Lovell an Rosa
                                                                            Rom.
Wie alles mich immer bestimmter zu jenen Schrecken hinwinkt, denen ich
entfliehen wollte! Wie es mich verfolgt und drängt, und doch die grässliche Leere
in mir nicht ausfüllt! - Wie in einem Ozean schwimm ich mit unnützer Anstrengung
umher; kein Schiff, kein Gestade, so weit das Auge reicht! unerbittlich streckt
sich das wilde Meer vor mir aus, und Nebel streichen verspottend wie Ufer herum,
und verschwinden.
    Nebelbänke sind
