 um Sie zu bewegen, uns mit Ihrer
Schwester hier auf einige Tage zu besuchen. Ich finde mich hier außerordentlich
glücklich und froh. - Ach, lieber Freund, folgen Sie meinem Beispiele, verlieben
Sie sich, und heiraten Sie dann, dies ist die schönste Epoche, das fühl ich
jetzt innig, die der Mensch erleben kann. Mag man doch vom Genuße der
Philosophie und von den wunderbaren Empfindungen, die uns das Studium der
schönen Wissenschaften gewähren soll, sprechen, was man will, es gibt immer
Augenblicke im Leben, in denen der Mensch die Leere fühlt, die ihn dabei umgibt
wie wenig alle seine Beschäftigungen mit ihm selbst zusammenhängen. Aber wenn
zwei Seelen miteinander verbunden sind, und der eine den andern mit jedem Tage
mehr versteht, und sich ihr Band immer fester schlingt, wenn man selbst neue
Schwachheiten entdeckt, und dabei doch sieht, wie innig diese mit den
Vortrefflichkeiten zusammenhängen - o so fühlt man sich fest an diese Erde
gekettet, auf der man vorher nur Gast und Fremdling war. Der Baum, der schon
verdorren will, und den der Gärtner nun plötzlich in andere fruchtbare Erde
setzt, so dass sich seine Wurzeln mit neuer Kraft ausstrecken und durch den Boden
schlagen, diesem Baume muss ungefähr so zumute sein, wie mir jetzt gegen ehedem
in meinem freien Stande war, als ich mich noch für nichts, als für mich selbst
interessierte.
    Lächeln Sie immerhin über mich was tut es mir? Nennen Sie mich einen
Schwärmer, und ich will Ihnen danken. Zeigen Sie mir den Menschen, der im Grunde
nicht schwärmt, wenn er sich froh und glücklich fühlt.
    Ich weiß es selbst recht gut, dass, sowenig ich auch eigentlicher
entusiastischer Verliebter bin, ich doch selbst nach einigen Monaten noch etwas
kälter sprechen werde als jetzt; aber wahrlich bloß darum, weil ich mich dann an
mein Glück schon etwas gewöhnt habe, nicht, weil ich es weniger innig fühlen
werde. - Ach, wir wollen lieber die ganze Untersuchung fahrenlassen, sosehr der
Mensch auch dahin neigt, alle seine Empfindungen zu zergliedern, ob sie es
gleich nicht vertragen wollen.
    Dass die meisten Leute in einem bejammernswürdigen Irrtume ihre Sinnlichkeit
für rohe Liebe und für das Ebenbild der Gottheit halten, ist gewiss, und hat mir
selbst ehedem zu manchen witzigen Einfällen Gelegenheit gegeben: aber die Zeit
ist jetzt vorüber, wo mir der höhere Mensch nicht denkbar war, der beide
Empfindungen in eine verbindet, und eben dadurch beide veredelt. Wenn der Mensch
sich in keiner Stunde durch diese Verbindung gestört fühlt, dann glaub ich hat
er seine schönste Vollendung als Mann erhalten, er ist über niedriger Wollust
und über schaler, fein ausgesponnener und langweiliger Zärtlichkeit gleich weit
erhaben.
    Mein Landsitz begrüßte uns
