 Augen habe. Mein Bedienter ist gutwillig genug und so geschäftig, mir
Papier, Tinte, Feder und alles übrige zu besorgen, als wenn von diesem meinem
Schreiben das Heil ganzer Länder abhinge. Dass es noch Menschen gibt, die das,
was man Geschäfte nennt, ernstaft treiben können, ist das Wunderbarste in der
Welt: - oder, ob sie noch gar nicht darauf gefallen sind, sich selbst und andre
näher zu betrachten, wie lächerlich, possenhaft und weinerlich alles, alles,
selbst Sterben und Verwesen ist? -
    Manche von den Menschen, die mich besuchen, geben sich viele Mühe, sich zu
meinem kranken Verstande herabzulassen, wenn sie von ihren wichtigen
Armseligkeiten sprechen. Sie glauben, ich verstehe sie nicht, wenn ich über dem
düstern Abgrunde meiner Seele brüte, und setzen mir dann auf eine ekelhafte Art
ihre Zwerggedanken auseinander. Ich höre sie in meiner Spannung zuweilen wie aus
einer tiefen Ferne in meine Seele hineinreden, wie ein unartikulierter
Wasserfall, der gegen die Ufer schlägt, ich antworte ihnen mit Worten, ohne sie
zu überlegen, und sie verlassen mich mit tiefem Bedauern und halten mich für
höchst unglückselig, weil ich ihre tiefe Ideen nicht verstehe.
    Neulich war ich in einer Gesellschaft von einigen Menschen, die sich
untereinander Freunde nannten. Es waren Künstler, und zwei darunter hielten sich
für Dichter. Man hatte mich aus Mitleid gebeten, um mich zu zerstreuen und
meinen trüben Geist aufzuheitern. Ich saß wie eine Statue unter ihnen, und hörte
dabei jedes Wort, das sie sprachen. Man machte sich gegenseitige Komplimente,
einer sprach von den ungeheueren Talenten des andern, ließ aber dabei doch seinen
Neid ziemlich deutlich hervorblicken. Der eine sprach von seinen Idyllen, die
einer seiner Feinde in einer gelehrten Schrift heruntergesetzt habe, weil er ihm
seinen großen Ruhm beneide; er bat den andern Dichter, eine Satire auf diese
Zurücksetzung zu schreiben, und man sprach mit einem Eifer und Feuer von der
ganzen Kinderei, als wenn das Wohl der Welt darauf beruhe. Der Dichter sprach
immer langsam und akzentuierte jedes Wort hart und feierlich; der andere bildete
sich wieder ein, lebhafter zu sein, und schrie und sprach schneller, jeder hielt
es für notwendig, irgend etwas Charakteristisches an sich zu haben, damit nicht
die großen Seelen so leicht miteinander verwechselt würden. Ach das Brausen von
Mühlrädern ist verständiger und angenehmer als das Klappern der menschlichen
Kinnbacken; der Mensch steht unter dem Affen, eben deswegen, weil er die Sprache
hat, denn sie ist die kläglichste und unsinnigste Spielerei: mir gingen hundert
wilde Gedanken mit harten Tritten durch den Kopf, alle diese Menschen wurden
plötzlich so weit von mir weggerückt, dass ich sie nur noch wie Larven in einem
fernen Nebel dämmern sah
