 über ältere sollen sie auch nicht. So wenig als möglich von
Theologie; denn es bleiben doch bloße Worte für die Kleinen.«
    Die Fürstin konnte nichts anders darauf antworten, so gern sie auch dem
Freimütigen den Kopf hätte waschen mögen, als: »Im Allgemeinen lässt sich so
etwas wohl hören; aber die Ordnung, die Sie mir zu tadeln scheinen, ist bei der
Erziehung die Hauptsache, man kann die Kinder nicht streng und frühzeitig genug
dazu angewöhnen. Die Religion fertigen Sie gar zu kurz ab; und es ist gut, sie
bei Zeiten gründlich zu verstehen.«
    Feierabend erwiderte: »Wenn Ihr Durchlaucht die gute Ordnung, oder die
Ordnung nach der Natur der Dinge, meinen; so hab' ich mich vielleicht nur nicht
deutlich genug ausgedrückt. Niemand kann mehr dafür sein als ich. Und was die
Religion betrifft: so war es ganz auch meine Meinung, dass die Kinder das
Wesentliche wissen sollen.«
    Der Fürst legte sich dazwischen, und sagte: »Hohental wird auch fleißig die
klassische Literatur getrieben haben?«
    Die Mutter antwortete: »Ich wünschte, dass Sie, gnädigster Herr, selbst
einmal ihn prüfen möchten. Alles, was wir sagen, kann doch nur parteiisch
lauten. Und so bitt' ich, wendete sie sich darauf zur Fürstin, mit gebührender
Bescheidenheit um den höheren Unterricht einer so erhabenen Frau über ihr
Geschlecht für meine Tochter.«
    Darüber ging es zur Tafel. Herr von Wolfseck fasste doch den Mut,
Hildegarden wie gewöhnlich dahin zu führen, und sagte ihr einige aufgeraffte
Worte über ihren Gesang. Sie begegnete ihm gerade so höflich wie sonst.
    Die Rede kam bald auf das Vogelschiessen, welches künftige Woche gehalten
werden sollte. Hohental pries dieses Volksfest in Deutschland, und die
vortreffliche Einrichtung des wöchentlichen Scheibenschiessens mit Herrn von
Lupfen. Man ging davon über auf den Zweikampf. Hierbei zeigte sich Herr von
Wolfseck, und sagte:
    »Was wird durch den Zweikampf entschieden? Nach der Vernunft platterdings
nichts mehr, als wer der beste Fechter oder Pistolenschütze sei.«
    »Wessen Ehre, vorzügliche Ehre, besteht darin? Die der Fechtmeister und
Pistolenschützen. Auch die der Offiziere, Hauptleute, Generale, Edelleute?«
    Hohental antwortete: »Vorzügliche Ehre? gewiss nicht. Es gehört bei diesen
nur zur guten Erziehung, und ist teils notwendig für ihre Laufbahn, dass jeder
diese Kunst getrieben hat; und niemals wird verlangt, dass einer sie bis zur
höchsten Vollkommenheit getrieben haben sollte, um wichtigere Eigenschaften
dagegen zu vernachlässigen.«
    Wolfseck erwiderte: »Wenn einer aus dieser Klasse von dem andern beleidigt
worden ist, und denselben zum Zweikampf herausfordert, was will er dadurch
erreichen? beweisen? Doch warlich nicht, dass er ein besserer
