 Bild tief in die Seele zu prägen, zu deren
Nutzen und Vergnügen. Ob sie gleich die Wirklichkeit nicht ganz gibt: so gibt
sie doch das Brauchbare davon, das Gediegne für den Menschen herausgehoben, von
allen Schlacken gereinigt; und ergreift mehr, als die Wirklichkeit selbst, weil
sie alles Zerstreuende davon entfernt, und die Merkmale jeder Art in einen
Brennpunkt bringt.«
    »Die Darstellungskunst kann sich mit dem größten Teil ihrer Familie am
mehrsten im Schauspiel vereinigen. In ihrer höchsten Vortreflichkeit wird sie
sich aber da vielleicht so selten zeigen, als Sonne, Mond, Merkur und Venus,
Mars, Jupiter, Saturnus und Uranus am Himmel um die Erde in einem harmonischen
und lieblichen Kranze auf einer Stelle zusammenkommen. Ein Sophokles, ein Gluck,
ein Tizian, die Gabrieli, Marchesi, Pugnani, die Noverre, die Vestris stehen in
Zeit und Ort immer weit von einander.«
    »Die besten Merkmale sind diejenigen, welche den besonderen Charakter einer
Sache bezeichnen; denn eben dadurch wird sie der Seele am gegenwärtigsten. Wer
täuschen will, muss diese treffen; und derjenige trägt den Preis davon, der sie
am besten trift.«
    »Homer hat die höchsten Muster persönlicher Tapferkeit mit allen
Schattirungen aufgestellt; und ist deswegen als Heldendichter der erste. Achill,
Ajax, Diomed, Odüsseus, bleiben noch unübertroffen. Ein Dichter, welcher einen
Alexander, Hannibal, Cäsar darstellte, einen Tromp und Ruyter, Türenne,
Friederich, meisterhaft das Unterscheidende träfe, wodurch sie sich von andern
Heerführern auszeichneten, würde gewiss einen höheren Rang einnehmen; aber dazu
gehört so viel Leben und Erfahrung, dass es noch keiner getan hat. Sie lassen
sich eben nicht so sinnlich darstellen, als ein Achill. Wie leicht und
ergreifend fängt die Iliade an, die Sie in der Übersetzung von Pope gelesen
haben werden, mit einem Wortwechsel! und wie schmachtet alles auf die
Wiederversöhnung, wie dürres zerrissnes Land auf einen Sommerregen!«
    »Das höchste aller Kunst besteht in dem von allem andern Unterscheidenden,
Individuellen, Täuschenden; nicht gerad' in der Vollkommenheit der Formen,
Farben, Töne, Worte, Harmonie und Schönheit derselben. Deswegen sagt man von den
Figuren, welche bloß fleißige Künstler den Antiken nachmachen: es ist keine
Seele darin; das ist: es ist nichts darin, was das Ganze zusammenhält und
individuell lebendig macht. Die Formen können schön, proporzionirt; die Farben,
Licht und Schatten harmonisch, kurz, alles nach der Regel treflich sein: und
stellt doch nichts dar, und täuscht nicht.«
    »Was einer darstellen will, muss er erst in Natur recht gefasst haben. Welch
ein sichrer scharfer Blick, welche feste geübte Hand gehört nicht dazu, eh einer
nur den Umriss
