 bleiben; und einige unglückliche wimmernde kleine Terzen,
oder trübe Quinten, die ihre stolze Schönheit verschleiern, werden ihn nicht
entschiedner machen.«
    »Die kindliche Liebe zum Vortreflichen des Altertums, die den Menschen so
erhöht, kann einen doch auch zuweilen verleiten und von der wahren
Vollkommenheit zurückhalten. Sollt' Ihnen dies nicht ein wenig widerfahren sein,
als Sie Sänger und Virtuosen die großen Terzen rein und höher und so heftig, als
sie nur sein können, und so die kleinen Terzen zärtlich rein und dann
engbrüstiger und immer schwermütiger nach den verschiedenen Tonarten der alten
Orgelstimmung singen, blasen und geigen hörten?«
    »Mich dünkt, diejenigen, welche gute Instrumente und gute Ohren haben,
bringen sie so rein hervor, wie möglich, es sei in einer Tonart, in welcher es
wolle; so rein in Es und E dur, als in C dur.«
    »Den Charakter der Grundaccorde, und die Entstehung ihrer Verschiedenheit
haben Sie treflich angegeben; ich glaube, die Ursach ist hinlänglich für einen
guten Philosophen, und es bedarf nicht der Zierung der größeren und kleineren
großen und kleinen Terzen. Gewiss erhalten die andern Dur- und Mollaccorde
hauptsächlich ihren Charakter, nachdem sie in dem Verhältnisse mit dem Ton C
stehen. Es dur ist so edel, so feierlich, so würdig, weil Es als kleine Terz dem
sanft klagenden C diente, nun aber von seinem traurigen Geschäft zu der
herrlichen eignen Existenz erhoben worden ist, dass ihr selbst dessen schöne
Quinte G als reizende große Terz, und dessen rührende kleine Septime, als
prächtige Quinte dient. Zärtlich erinnert sie sich bei ihrem Glück zuweilen
ihres vorigen Zustandes.«
    »Auf gleiche Art ist das Schoosskind die große Terz des C in E dur zu seinem
erhöhten himmlischen Leben gekommen.«
    »So dessen Quart, die so klug den Zweifel ausdrückt, in F dur zur frohen
Gewissheit und Zuversicht; in F moll hingegen ganz zur Verzweiflung.«
    »So klagt C selbst in A moll, seiner schönen großen Sext, und geht dahin
über, wenn es Kummer drückt.«
    »Was C am stärksten abhärmte, und sich am mehrsten mit ihm entzweite, H, die
tragische große Septime, und Cis, die schmerzliche kleine Sekunde, sind auch von
ihm am entferntesten, als eigne Existenzen.«
    »Das an und für sich kleine notwendige Übel, unter die zwölf gewaltigen
Götter des himmlischen Tonreichs gleich verteilt, würde so vielleicht am
leichtesten zu ertragen. C dur soll Saturnus, das goldne Zeitalter bleiben; Cis
dur Jupiter sein; D dur Bacchus; Es dur Königin Juno; E dur Urania Venus. Aber
ich will mit meinen Gleichnissen und Grillen Sie nicht länger in Ihrem
meisterhaften Unterrichte stören.«
    
    »Vortreflich!
