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    »Die beste Methode dazu, wenn man kein dafür berechnetes Monochord hat,
dünkt mich: man bringt fürs erste die drei großen Terzen C E, E Gis, Gis His (=
C) so gleich geteilt wie möglich in die Oktave. Dann stimme man zu C die Quinte
G ein wenig schwebend, und zu G eben so die Quinte D. Zwischen diese nun rein
gestimmten Töne C D E teile man die zwei halben Töne Cis (nach der schon
gefundnen Quinte Gis) und Dis nach G und C ein; und wenn dieses geschehen ist:
bringe man die neun großen Terzen von Cis, D und Dis, von jedem Tone drei, eben
so wie bei C, in ihre Oktaven; und man hat äußerst geschwind, und so gut, als
mit bloßem Gehör möglich ist, die ganze gleichschwebende Temperatur. Die großen
Terzen sind die Probe derselben: die Quinten entstehen von selbst zahm, und man
braucht sie nicht erst mit vieler, oft vergeblicher Mühe, wo sie zuweilen gar
übermäßig werden, gleich wilden Füllen zu bändigen.«
    »Die andern Arten von Temperatur unterscheiden sich, nachdem man mehr oder
weniger vollkommen reine Quinten, vollkommen reine große und kleine Terzen
erhält, und nach den Accorden, in welche man sie bringt.«
    »Die Mitte der gesammten Anzahl von Tönen, welche das menschliche Ohr
bestimmt zu fassen vermag, ist das eingestrichne C. Bei diesem hat man die
Grenze der Diskantstimme angenommen; weil sie bei mannbaren Jungfrauen und
unschuldigen Jünglingen wirklich so weit reicht.«
    »Wer Musik treibt und versteht, hat seine Wissenschaft nach unserm
Notensystem von C dur angefangen. Von diesem Tone steigen wir durch Quinten in
die Höhe und in die Tiefe weiter zu andern. Die Tonleiter C dur bleibt uns also
gleichsam Stand der Natur; jungfräuliche Keuschheit und Reinheit, holde Unschuld
des Jünglings, patriarchalisches Leben, goldnes Zeitalter.«
    »Dieses C im Kammerton, eingestrichen, macht also den Mittelpunkt der ganzen
musikalischen Sphäre aus. Das reife Leben im Jüngling und Mädchen erreicht diese
Grenze. Die folgenden Stufen des menschlichen Alters treten beim Mann auch in
der Musik tiefer. Die Erfinder der Noten, welche unser musikalisches System
anlegten, haben nach der Natur den ersten harten Dreiklang mit ihm angefangen.«
    »Das Klavier, das herrschende Instrument in der Harmonie, ist ganz danach
eingerichtet. C ist der Ton, nach welchem wir alle andern messen, und mit
welchem alle andern in Kontrast stehen.«
    »Die Quinte davon, G, ist gleichsam die erste Stufe über dem Stande der
Natur; D die zweite; A die dritte; E die vierte.«
    »Bis dahin können wir steigen; der Ausgang und Kontrast von C ist noch
