 fehlen zur Oktave drei Vierundsechzigteile, wie
in Zahlen leicht zu sehen ist;
Und vier kleine Terzen, als C Es (Dis), Dis Fis, Fis A, A C auch genau eine
Oktave. Wenn sie für das Ohr und nach Verhältnis gestimmt sind, so übersteigen
sie dieselbe;
»Der Fortschritt von zwölf Quinten, woraus alle Accorde unsers musikalischen
Systems entstehen, muss gleichfalls eine reine Oktave ausmachen. Wenn sie aber
alle rein sind: so kommt ein Abstand hervor in dem Verhältnis von 531441 zu
524288.«
    »So beschwerlich dies für die Polizei der eingeführten Ordnung unsrer neuen
Harmonie ist: so muss Sinn und Verstand, von dem erhabenen Trieb alles Lebendigen,
nirgendwo stehen zu bleiben, doch dabei zur Bewunderung hingerissen werden. Die
Quinten der Natur gleichen den Monaten der Sonne; sie läuft in einem Jahre immer
etwas weiter, als die zwölf Gestirne des Tierkreises. Alles Wesen strebt ewig
fort nach dem Unendlichen.«
    »Um diese Kinder der Natur, die reinen Quinten, großen und kleinen Terzen,
nach dem schlechterdings notwendigen bürgerlichen Gesetz unsrer Kirchen,
Theater und Konzertsäle zu modeln und zu erziehen: haben Philosophen und Meister
der Kunst verschiedene Metoden angegeben; und die der gleichschwebenden
Temperatur hat so ziemlich die Oberhand gewonnen. Man hat in der Verzweiflung
den Knoten aufgehauen, nicht gelöst, und alles muss in das Bett des Prokrustes
passen. Man teilte die Oktave mit dem Maßstab in zwölf halbe vollkommen
gleiche Töne ein; und die reinen Quinten, großen Terzen, kleinen Terzen und
Sexten in Kehlen und Instrumenten mögen sehen, wie sie sich dazu fügen. Mit dem
Unkraut, den Dissonanzen, macht man vollends gar keine Umstände. Kein Accord ist
mehr oder weniger als der andre. Die verworfnen Bösewichter Ges dur und Es moll
treten so heiter und sanft einher, wie Unschuld, Friede und zärtliche Rührung in
C dur und A moll.«
    »Für unsre neueste Musik, wo man anfängt, alle Charakter zu vermischen, und
in demselben Stück, besonders mit bloßen Instrumenten, um neu zu tun, die Kreuz
und die Quer in alle vier und zwanzig Tonarten ausschweift, mag es gut sein.
Keine Quinte ist vollkommen rein, alle etwas zu niedrig; alle große Terzen sind
etwas zu groß, und alle kleinen etwas zu klein. Die süße kleine Septime hat
gerade dasselbe Verhältnis, wie der herbe Schmerz der übermäßigen Sexte. Wer ein
zartes Gefühl für Schönheit in ihrer ganzen Reinheit hat, möchte wohl den
geringen Umfang der Kunst beim Pythagoras oder Plato zurück wünschen, und sich
an der Melodie von wenig reinen Quinten, Quarten, Terzen in dem abwechselnden
mannigfaltigen Takt der Griechischen lyrischen Versarten einer Sappho, eines
Alkaios und Sophokles, und dem einfachen Nachklang der Harmonie eines
